Samstag, 22. Dezember 2012

Karibik für Arme



Dann waren wir in Tulum, an der Karibik-Küste, angekommen. Da wir erst mal genug von alten Steinen hatten, dachten wir an ein nettes Plätzchen am Strand, um die Zehen in den weißen Sand zu stecken und in das türkis-blaue Meer zu hüpfen.
Aber es war natürlich mal wieder eine größere Exkursion vonnöten, bis wir endlich etwas fanden, wo wir mit dem Camper bleiben konnten. Entweder war der Strand mit Hotels zugebaut oder es gab öffentliche Strände, wo wir nicht für die Nacht stehen bleiben durften. Endlich fanden wir einen Campingplatz, der uns gnädig bleiben ließ. Soweit ganz nett, aber es waren überwiegend Backpacker da, die in den kleinen Hütten oder in mitgebrachten Winz-Zelten logierten. Da wir Küche und Bad dabei haben, hat uns der minimale Komfort (und Hygienezustand !) nicht gestört.
Aber die Freaks fanden uns natürlich klasse, denn Papi und Mami haben alles, was man braucht, wenn man alleine, minimalistisch und lebenslustig unterwegs ist. Ein Italiener kam mit einem kleinen Blecheimerchen, in dem er seine Unterhosen waschen wollte, aber kein Waschmittel hatte.  Dem Manne konnte natürlich geholfen werden.
Ein Anderer kam mit einem uralten VW-Käfer, dem so einiges fehlte und nur noch durch den Rost zusammengehalten wurde, angetuckert und fragte nach Werkzeug. Wie sich bald herausstellte, war die Lenksäule gebrochen und er wollte die irgendwie wieder hinkriegen.
Ein Mexikaner, der begonnen hatte, Englisch zu studieren, quatschte uns an, weil er natürlich dachte, wir seien Amis. Aber Europäer fand er dann auch ganz prima und hat uns zugetextet.
Der Strand jedenfalls war recht passabel, das Meer blau und warm – was wollten wir also erst mal mehr?
Da die Maya-Ruinen von Tulum nicht weit weg waren, haben wir die auch noch angeguckt.
Ein prima Tag dafür, denn am 21.12.2012 endet der letzte Maya-Kalender und einige G’spinnerte schlossen daraus, an diesem Tag gehe die Welt unter. Etliche Leute hatten T-Shirts an, auf denen neben dem Datum und einer Maya-Pyramide stand: The End is near.  Eine Gruppe von Leuten stand um irgendetwas (kultisches?) herum, fasste sich an den Händen, später hockten sie im Gras, noch immer angefasst, und wir haben überlegt, ob sie rituellen Suizid begehen, falls die Welt doch nicht, wie prophezeit, untergeht.
Es war nur gut, daß wir recht früh am Morgen dort waren, denn als wir zurückgingen, kam uns ein ununterbrochener Strom von Touristengruppen aus aller Herren Länder entgegen. Und die Schlange am Eingang sah unendlich aus. Wir mussten zuvor gar nicht anstehen.
Bis Chetumal, an der Grenze zu Belize, haben wir es bis zum Nachmittag geschafft und ein tolles Resort gefunden, das auch Camper-Stellplätze bietet. Direkt am Meer, mit Stromanschluß etc. und es gibt sogar einen Swimming-Pool.
Blöd nur: ich habe heute was im amerikanischen Handbuch für Mittelamerika gefunden, das uns ein wenig verunsichert. Da wird behauptet, Österreicher bräuchten für Belize ein Visum. Das war uns neu, bisheriger Kenntnisstand war, EU-Bürger bräuchten für ganz Mittelamerika keinerlei Visa. Entweder wissen die Amis nicht, dass auch Österreich zur EU gehört oder das mit dem Visum stimmt wirklich. Das würde einen Riesenumweg bedeuten, um nach Guatemala zu kommen. Wir werden an der Grenze sehen, was stimmt.


Noch mehr Maya



Die nächste Attraktion ist Uxmal und die hat mich mal wirklich begeistert. Da hat einfach so viel gepasst, das war eine rechte Freude.
Die Gebäude sind ganz anders, als wir sie bisher gesehen haben. Die Pyramide gleich beim Eingang birgt ein interessantes Geheimnis, an dem wir noch herumrätseln. Es ist das Loch in dem Stufenaufgang. Ein Mexikaner stand davor, hat in die Hände geklatscht und es ertönte so etwas wie bizarres, tropisches Vogelgekreisch. Wir haben das eine Weile fasziniert beobachtet, belauscht und es war eindeutig ein Echo. Wie kann das sein? Unsere Literatur hatte nichts dazu zu bieten, es schienen auch die Touristenführer, die man für viel Geld anheuern kann, nicht darauf hinzuweisen.
Klaus hat es, allerdings nicht in direkter Linie davor stehend, versucht und es kam tatsächlich auch ein etwas abgeschwächtes Echo.
Die restlichen Gebäude der Anlage sind spannend wegen der noch gut erkennbaren Fassadendekorationen und man kann sich in den Details verlieren, wenn man genauer hinguckt.
Beinahe noch faszinierender als die alten Steine waren die Leguane, die herumtrabten. Diese archaischen Tiere passen genial in die Umgebung und scheinen sich dort auch sau(rier)wohl zu fühlen. Jedenfalls waren sie sehr zahlreich und in reicher Form- und Größenauswahl vorhanden und sie zu beobachten lenkte gelegentlich sehr von den alten Maya-Steinen ab.
In Mexiko gibt es keine Infrastruktur für Camper-Reisende wie uns, es ist oft recht mühsam, einen Übernachtungsplatz zu finden. In Uxmal hatten wir richtig Glück, wir durften auf dem Angestellten-Parkplatz gleich neben dem Eingang stehen bleiben, der sogar recht hübsch angelegt und vor allem schattig war.
Bisher konnte man wirklich nicht von Massentourismus und überlaufenen Sehenswürdigkeiten reden, wir paar Touristen sind uns nicht groß im Weg umgegangen, obwohl Monte Alban, Palenque und Uxmal zum Unesco-Weltkultur(resp. Natur)Erbe zählen. Genauso wie Chichén Itzá, wo wir am nächsten Tag aufschlugen. Aber da steppte der Bär.  Massenhaft Leute bevölkerten die Ruinen und zahllose Andenken-Stände säumten die Wege. Natürlich hatten wir mal wieder unser persönliches Reise-Pech, es begann alsbald zu regnen und Regen in den Tropen ist dann auch richtig Regen. Das Wesentlichste konnten wir zwar noch anschauen, aber so richtig Spaß hat es nicht mehr gemacht.
Fazit der Maya-Kultur-Tour bisher: es war sicher eine Hochkultur, die vor allem sehr darauf bedacht war, im Einklang mit der Natur zu leben. Dafür waren sie offensichtlich sehr blutrünstig, haben gemetzelt, was das Zeug hielt. Sklaven und Kinder in tiefe Brunnen geworfen, um den Regengott gnädig zu stimmen, Verlierer der Ballspiele geköpft. Usw…
Na ja, ich will nicht als Kulturbanause gelten, aber was ist jetzt besser? Ein Maya-Leben oder das 21. Jahrtausend?
Aber weil wir schon dabei sind, haben wir uns die nächste Maya-Stadt auch noch angesehen.
Coban liegt auf dem Weg nach Tulum und wir hatten die Hoffnung, auch da einen netten Übernachtungsplatz zu finden. Was auch funktionierte. Wir konnten problemlos auf den Parkplatz und haben sogar noch ein richtig schönes mexikanisches Abendessen in einem der kleinen Restaurants bekommen. Eigentlich wollten sie gerade schließen…
Am nächsten Morgen sind wir recht früh zur Besichtigungstour los und das war auch gut so. Als wir auf dem Rückweg waren, kamen uns Menschenmassen entgegen und der zuvor leere Parkplatz war quasi voll.
Coban ist aber wirklich sehenswert, es liegt sehr weitläufig verteilt im Wald und ist noch nicht so perfekt restauriert. Es war wohl eine der größten Maya-Städte, ca. 50.000 Einwohner und hatte ein sehr weitreichendes Straßennetz, das die Stadt mit anderen verband.
Damit man recht viel zu sehen kriegt, kann man Fahrräder mieten oder sich in Fahrrad-Rikschas herumfahren lassen. Was den Vorteil hat, daß der Fahrer weiß, wo es langgeht und noch ein wenig erzählt. Beschilderung, Beschriftung gibt es sehr wenig, da nimmt man das ganz gerne in Anspruch.
Apropos Schilder: dieses hier fand ich auf dem Parkplatz, inmitten der Ladenzeile.

Montag, 17. Dezember 2012

Vom Pazifik zum Atlantik



Nach ganz viel Natur ist nun Kultur angesagt – mit Oaxca und vor allem den Monte Alban als Beginn, bevor wir uns in Yucatan auf die Ruinen der Maya werfen.
Der Monte Alban wurde ca. 800 v. Chr. von den Olmeken ein Stück abgetragen, um auf dem so geschaffenen Plateau eine Siedlung anzulegen. Man kann noch recht viel erkennen und sich vorstellen, wie es dermaleinst – komplett -  ausgesehen haben mag.
Faszinierend ist ein Gebäude, das nicht in die Symmetrie der Anlage passt: es war eine Sternwarte. 
Spannend sind auch behauene Steine, deren Darstellungen man noch nicht wirklich erklären kann.
Bei den Treppen der pyramidenförmigen Gebäude habe ich mich gewundert, warum die Stufen so hoch sind. Waren die Menschen nicht früher sehr viel kleiner als wir heute?  Für mich waren sie viel zu hoch – wie mögen sie die früher erklommen haben?
In Oaxaca gibt es lustige Ampeln – die für Fußgänger sind animiert. Das grüne Männchen läuft, immer schneller, je länger die Grünphase dauert. Wenn es dann richtig rennt, springt die Ampel auf Rot. Und die Luxusversion hat gar noch einen Sekundenzähler oberhalb. Um ganz sicher zu gehen….
Putzig auch: es gibt in der ganzen Provinz diese Scooter, meist sehr liebevoll dekoriert und hergerichtet. Immer sauber geputzt und ständig im Einsatz.
Die Straße von Oaxaca nach Tuxtepec ist die schönste Strecke, die wir bisher gefahren sind. Es geht durchs Gebirge, das erst mal eher alpinen Charakter hat, die Vegetation war uns recht vertraut. Nach einem Pass in über 2.900 Metern ändert es sich in einen wunderschönen üppigen Nebelwald. Mit riesigen Farnen, Farnbäumen, Flechten, Ranken und erfreulicherweise wenig Nebel, so daß man ungehindert gucken konnte.
Eine Schlange auf der Straße haben wir noch rechtzeitig gesehen, um sie nicht zu überfahren. Recht groß, dreieckiger Kopf – könnte giftig gewesen sein.
In Palenque sind wir dann bei den Maya angekommen.  Diese Stadt war komplett vom Regenwald überwuchert, ehe sie im vorigen Jahrhundert – sicher sehr mühsam – freigelegt wurde. Natürlich ist einiges restauriert worden, dennoch ist erstaunlich viel vom Ursprung erhalten. Man kann noch immer auf den meisten Gebäuden herumklettern, was die Sache natürlich interessanter macht, als die nur aus respektvollem Abstand bestaunen zu können.  Allerdings muss man deutsche Sicherheitsvorschriften außer Acht lassen, es empfiehlt sich, sehr genau zu gucken, wohin man tritt.
Wenig ausländische Touristen, mehr Mexikaner und die meisten davon junge Leute - hätten wir so gar nicht erwartet.
Nach einem Abstecher zu einem Wasserfall ein Stückchen weiter südlich sind wir nun bei  Campeche, am Atlantik – am Golf von Mexiko – angekommen.

Down to Acapulco



Wir hatten uns entschieden, die Pazifik-Küstenstraße entlang zu fahren, um dann über Oaxaca nach Yucatan weiter zu reisen. Was eigentlich auch eine gute Entscheidung war, denn es ist landschaftlich eine wirklich schöne und reizvolle Strecke. Zwar hat es meist Steilküste und man erhascht nur gelegentlich einen Blick aufs Meer, der dann aber meist paradiesisch ist.
Dumm bei der Sache: die Straße ist äußerst kurvig, was eine recht geringe tägliche Fahrtstrecke bedeutet und wir trotz recht grober Zeitplanung ein wenig in Verzug geraten sind. Und die Suche nach geeigneten Übernachtungsplätzen ist ein wenig schwierig.
Tourismus gibt es so gut wie nicht – dachten wir. Wir sind von der Straße weg Richtung Ixtapa gefahren, weil wir hofften, am Strand ein ruhiges Plätzchen zu finden.
Und waren völlig geplättet, eine Ami-Hotel-Großstadt vorzufinden. Vom Straßenrand sprangen uns die Bettenverkäufer der Hotels vors Auto und nur ein Herr Hallmackenreuter hatte kapiert, daß wir unser eigenes Bett dabei haben, warf sich uns nicht vor die Stoßstange.  Endlich hatte ein junger Mann, der dazu auch noch englisch sprach, unsere Situation erfasst und erklärte uns den Weg zu einem Campingplatz.
Den hätten wir sonst nie gefunden, er lag er viele Kilometer weiter außerhalb und war natürlich nur sehr spärlich ausgeschildert.
Am nächsten Tag haben wir es bis Acapulco geschafft. Auch hier natürlich der Hotelklotz-Horror entlang der Bucht. Es ist schon ein traumhaft schönes Stück Küste, man versteht, warum es mal der angesagte Platz für die Reichen und Schönen dieser Welt war. Aber eben war: heute ist es eher ein Albtraum, der an sich selbst erstickt.
Soviel haben wir nun gesehen: Tourismus gibt es, aber völlig abgeschottet. Ein paar Kilometer abseits der Hotel-Städte spürt man rein gar nichts mehr davon, da ist das normale mexikanische Leben. Und das ist richtig freundlich, entspannt und sehr liebenswert.
In Acapulco fielen uns viele kleine Prozessionen auf, die mit argem Getöse durch die Straßen zogen. Es ist zu Ehren der Jungfrau von Guadaloupe, die im 16. Jahrhundert einem Bauern erschienen sein soll und noch immer Anlass für größere Festivitäten bietet, wie wir herausfanden. Als wir endlich einen Platz für die Nacht in einen Ort abseits der Stadt gefunden hatten, wurden wir auch da noch recht lange von dem eintönigen Trommel- und Blasinstrumentensound zu Ehren der Jungfrau beschallt. In den Pausen übernahmen die Hunde, Hähne und Esel den musikalischen Teil.
Ein paar Stunden Nachtruhe waren uns vergönnt, bis uns um ½ 6 morgens die Musikanlage der örtlichen Kneipe weckte. Das sahen wir mal positiv, weil wir so ein wenig unseres zeitlichen Defizits einholen konnten. Schon um 7 Uhr starten – das machen wir eher nur, wenn wir auf eine Fähre müssen - oder so ähnlich.
Bis 9 Uhr waren wir schon recht weit gekommen, bis wir auf einer Brücke vor Marquelia im Stau steckten. Warum? Erst mal abwarten. Dann mal gucken… Unfall?? So sah es erst aus, bis sich herausstellte, es ist eine Demo für bessere Bedingungen in den Schulen. Man hatte die Brücke kurzerhand abgesperrt und wartete auf eine Reaktion der Regierung. 


4 ½ Stunden standen wir dort und da wir in der privilegierten Lage waren, es uns im Schneckenhaus bequem und eine Brotzeit machen zu können, war es gar nicht so arg.

Aber auch die Mexikaner waren sehr entspannt, sie haben einfach das Beste draus gemacht. Taxi-Dienste für die Bus-Reisenden,  Getränke und Snacks für die Anderen organisiert.  Ein süßes älteres Paar hat sich  bei uns entschuldigt, weil wir als Touristen in diese missliche Lage geraten waren.
Da war wieder dieses angenehme Gefühl, als Gast gesehen zu werden. Und das, obwohl wir mit der US-Zulassung fürs Auto erst mal als Gringos gelten.
Wenn wir uns dann als Europäer zu erkennen geben – als Deutsche dazu – ist die Freundlichkeit eine Stufe höher geschaltet. (Die VW-Käfer fahren hier noch recht zahlreich herum.) Und da es mal einen Österreicher als mexikanischen Kaiser gab (1863-1867, Maximilian von Habsburg, von den Franzosen eingesetzt), sind natürlich die Leute, die im Geschichtsunterricht aufgepasst haben, ganz entzückt, wenn Klaus den Ösi gibt.
Blöd nur: der Maximilian wurde standrechtlich erschossen und seine Frau darauf hin wahnsinnig.


Mexiko – Festland



Keine Reise ohne Schiffspassage – das gehört wohl einfach dazu.  In La Paz, beinahe am Ende der Baja, gehen Fähren zum mexikanischen Festland, wir haben uns für die nach Mazatlán (weiter südlich) entschieden. Und waren erst mal etwas konsterniert ob der Preise – teurer als die Überfahrt von Barcelona nach Tanger, obwohl viel kürzer.
Auch ging das Schiff erst am nächsten Tag nachmittags, so dass wir uns einen Platz für die Nacht suchen mussten. Da hatten wir aber Glück, ein Stück nördlich des Hafens fanden wir eine schnuckelige Bucht, an der man es auch gut noch ein paar Tage länger hätte aushalten können.
Anderen Tags also nachmittags zur Fähre, die wenig komfortabel war. Das im Preis enthaltene Abendessen war nicht gerade eine kulinarische Offenbarung, auf das Frühstück habe ich aus reinem Selbsterhaltungstrieb verzichtet. Aber ganz lustige Leute waren mit an Bord. Eine kanadische, recht freakige Radlergruppe, ein deutsches Paar, das mit Motorrädern schon seit 2 Jahren auf Weltreise ist, einige kuriose Single-Amis – es gibt hier eher keinen (Pauschal)tourismus.
Auf dem Festland ist ein ganz anderes Klima und eine recht subtropische Vegetation.  Immer mehr Kokospalmen, Bananenstauden, Papaya-Bäume, je weiter wir südlich fuhren.
Ein wenig schwierig gestaltete sich die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Neben der Straße war nix möglich, Zufahrt zum Meer gab es kaum, und wenn doch, war nach einigen Kilometern ein gesicherter Zaun. Sehr ärgerlich!
Endlich fanden wir eine richtig schöne Bucht, in der eine Hotel-Rohbau-Ruine stand. Ein Paar wuselte herum, offensichtlich waren sie dabei, sich dort häuslich nieder zu lassen. Wir haben gefragt, ob wir für die Nacht bleiben dürfen und die Frau war offensichtlich ganz froh, mal ein wenig Abwechslung zu haben. Sie hat uns erzählt, das die Ruine schon seit 30 Jahren da steht, hat uns am Strand die Schildkröten-Spuren gezeigt und die Einsiedler-Krebse in den Muscheln.  Es war eine nette Nacht im Palmenhain neben der Ruine.
Anderen Tags hatten wir ein wenig mit Besorgungen zu tun, vor allem war Gas tanken nötig. Warmes Wasser, Kühl- und Gefrierschrank und der Herd funktionieren mit Gas. Wir sind ja schon alte Leute und da ist ein wenig Komfort recht kommod. Haha…
Aber ein funktionierender Kühlschrank ist bei den Temperaturen einfach klasse! Das Gefrierfach ist natürlich der reinste Luxus, aber wahrlich nicht zu verachten.
Sehr lustig übrigens bei den Temperaturen: die Weihnachtsdekoration in den Städten.
Mexiko ist ein sehr angenehmes Land mit äußerst netten, freundlichen Leuten, man hat das Gefühl, ein gern gesehener Gast zu sein. Keine Bettelei, keine aufdringlichen Händler, die sich in Geschwaderstärke auf einen stürzen, sobald man anhält. Das hat in Marokko schon sehr genervt und einem das an sich schöne Land gelegentlich vermiest.
Dafür haben die Mexikaner eine sehr ausgeprägte Liebe zu Topes. Das sind Speedbreaker (gibt es ein deutsches Wort für die Wülste auf den Straßen?), die tatsächlich inflationär vorhanden sind. Nicht immer angekündigt, nicht immer gleich zu sehen. Wenn man dann zu schnell darüber rumpelt, segelt in der Wohnung alles, was eigentlich fest verstaut ist, durch die Hütte, denn es haut sogar die Schranktüren auf.
Aber angesichts der zahlreichen umgekippten LKWs, die wir schon haben liegen sehen und der unzähligen Kreuze mit Blumenschmuck entlang der Straßen scheinen diese Dinger notwendig zu sein.

Samstag, 1. Dezember 2012

Baja abwärts



Der nördliche Teil ist nicht sonderlich abwechslungsreich, es gibt nur ein Stück, das von der Küste bei El Rosario ins Innere der Halbinsel führt, das kakteenmäßig unglaublich vielfältig und damit richtig spannend ist. Unübersehbar natürlich die großen Jungs, wie man sie sich in Mexiko vorstellt. Guckt man genauer hin, ist dazwischen eine riesige Menge der unterschiedlichsten Stachelgewächse. Von bizarr verästelt bis einfach nur geradeaus.
Richtig schön und endlich mal wieder eine botanische Abwechslung zu der ansonsten recht eintönigen Wüstenlandschaft.
Mit Guerrero Negro hatten wir gehofft, eine etwas größere Stadt zu finden, bei der wir ein wenig die Vorräte auffüllen und vielleicht gar ein wenig bleiben können. Das ist die Grenze zwischen Baja Nord und Süd, auch eine weitere Zeitzone, und man soll an der Pazifik-Bucht Wale sehen können. Toll! Freu!
Was hat gestimmt? Außer das man tatsächlich die Uhr eine Stunde vorstellen musste, rein gar nix. Größere Stadt – na ja. Eigentlich schon, aber wir sind ewig herumgefahren, um ein Minimum an Futter zu bekommen. Keine Lebensmittelläden weit und breit, keine der ansonsten massenhaft vorhandenen Stände und 95 % der Taco-Buden war zu. Sehr merkwürdig. Keinerlei touristische Infrastruktur, obwohl das Whale-watching überall, auch in unseren Karten und Führern, groß angepriesen wurde.
Mittlerweile hatten wir herausbekommen, dass wir 1-2 Wochen zu früh für die Wale dran waren, aber das erklärt das alles auch nicht. Wir hatten mühsam ein wenig zu essen erstanden und wollten zu der Wal-Bucht, die auch großmächtig ausgeschildert war. Nur war die Straße noch im (Wiederauf)Bau und endete an einer Sperre. Mit Pförtnerhäuschen. Der nette Mann erklärte uns einen anderen Weg, der aber genauso ergebnislos endete. Schließlich landeten wir, einigermaßen entnervt, an einem nicht sehr hübschen Platz am Meer, wo wir die müden Knochen zur Ruhe betten konnten.
Inzwischen hatte mich eine Infektion ziemlich niedergestreckt und da ist einem dann alles mehr oder weniger egal, wenn man nur liegen darf.
Was ich am nächsten Tag auch gemacht habe, denn im Alkoven liegend durchgeschüttelt zu werden ist immer noch angenehmer als auf dem Vordersitz zusammengeringelt vor sich hin zu fiebern.

Nun sind wir ein paar Tage auf einem netten Platz und ich bin schon wieder halbwegs fit.


In Mexiko



Man sollte sich doch ein wenig mehr mit den lokalen Gegebenheiten vertraut machen – dann hätten wir mitbekommen, dass am Donnerstag Thanksgiving war. Wir hatten uns nur gewundert, warum im Joshua-Tree-Park alle Campgrounds voll waren. Wir hatten gerade noch einen netten Platz gefunden, danach kurvten jede Menge Autos herum auf der Suche nach einem freien Plätzchen.
Am nächsten Tag haben wir uns über völlig überfüllte Parkplätze in den Einkaufszentren gewundert und da dämmerte uns langsam, daß man ein verlängertes Wochenende genoß.
In San Diego wollten wir am Freitag beim US-Automobilclub eine Versicherung für Mexiko erstehen – Fehlanzeige. Geschlossen wg. Feiertag. Da wir keine Lust hatten, bis Montag zu warten, sind wir weiter nach Tijuana, über die Grenze, auf die Baja California gefahren. Jede Menge großer, schicker Hotels, oft noch im Bau, aber kein Campingplatz weit und breit. Es gab zwar jede Menge Hinweisschilder, aber entweder war gar nichts oder nur aufgelassene, menschenleere Plätze voller Schrott. Es wurde dunkel, es wurde sehr neblig und die Straße führte mehr und mehr in siedlungsfreies Gebiet.
Bis wir endlich in eine Militär-Kontrolle an der Straße gerieten und die netten Jungs  uns gestattet haben, neben ihnen für die Nacht stehen zu bleiben. Uff – es wurde langsam ein wenig ungemütlich, noch weiter zu fahren. Und unter Militär-Aufsicht haben wir uns sicher gefühlt. In der Nähe zur US-Grenze ist es ein wenig heikel, einfach in der Pampa zu übernachten, da kann es schon zu Übergriffen kommen.
Am nächsten Tag haben wir in Mexiko versucht, eine Autoversicherung zu bekommen. In der ersten Stadt nach Tijuana –Fehlanzeige. Im nächsten Ort war’s auch erst mal nicht sehr erfolgreich. Klaus hat das Auto am Straßenrand geparkt und sich zu Fuß aufgemacht, etwas aufzutreiben. Und kam und kam nicht wieder. Die Mädels des Klamotten-Ladens, vor dem wir parkten, versuchten mir nach einer Weile klar zu machen, daß wir da nicht stehen dürften. Ja doof, aber wohin sonst? Ich habe mich erst mal blöd gestellt, aber die ließen nicht locker, riefen dann wohl die Polizei. Der sehr freundliche Polizist machte mir auch klar, daß man da nicht stehen dürfte. Mein Problem bei der Sache war weniger, das Auto nicht bewegen zu können, ich hätte einfach nicht gewusst, wohin sonst, denn es sah weit und breit nicht nach einem möglichen Platz für das große Auto aus. Also habe ich mir gedacht, bei den Latino-Machos zieht vielleicht die „hilfloses-Weibchen-Nummer“. Habe ihn freundlich angegrinst und ihm zu verstehen gegeben, ich könne nicht fahren. Aber ich hätte einen Schlüssel und ob er nicht vielleicht…..???
Hat funktioniert, er hat sein Auto weggestellt und unseres ein Stück weiter um eine Ecke gefahren und meinte, da könne es stehen bleiben. Hat sich mit Handschlag und einem herzlichen Willkommen in Mexiko verabschiedet. Wenn das mal nicht nett ist!
Hab’ mich natürlich mit dem bezaubernsten Lächeln, zu dem ich fähig war und vielen „Gracias“ bedankt.
Klaus hat sich ein wenig gewundert, als er endlich – mit Versicherung - zurückkam und das Auto weg war. Er hat es aber dann schnell gefunden, es ist ja nicht so leicht zu übersehen. Und hat sich über meine Geschichte köstlich amüsiert.  So hatten wir beide einen abwechslungsreichen Vormittag – er mit der Versicherungs-Suche, ich mit der Polizei.