Donnerstag, 25. Juli 2013

Mückenterror

Mitten auf dem Denali-Highway haben wir das holländische Paar wieder getroffen. Sie kamen von Delta Junction, wohin wir gerade wollten. Eine Plauderei auf der Straße wurde uns aber durch heftige Mücken-Attacken schnell verleidet. So fuhren die Beiden weiter Richtung Denali, wir in die andere Richtung, zurück nach Tok.

Weil der Campingplatz dort zu und zu lustig ist, haben wir da wieder Station gemacht. Große Wäsche war wieder mal nötig und eine richtige Dusche genießt man ab und zu auch gerne. Zwar können wir auch im Camper duschen, aber das ist dann doch eher die Sparversion. Der Wassertank ist nicht allzu üppig bemessen und die Bewegungsfreiheit eher eingeschränkt.

Am Abend gab es wieder die Pancake-Show, bei der Klaus bei beiden Versuchen den Pfannkuchen im Eimer versenkte. Es gab allerdings dafür keine 2 Frühstücke, im Austausch diesmal eine praktische Alu-Wasserflasche.  Leider musste das anschließende Lagerfeuer ausfallen, wegen einiger Waldbrände war jegliches offene Feuer verboten.
Am nächsten Tag waren wir wieder auf dem Alaska-Hwy, zurück nach Süden. Das Wetter war nicht mehr wirklich toll, eher trüb, windig und wesentlich kühler als auf dem Hinweg, nach Passieren der kanadischen Grenze wurde es eher noch ein wenig grauer. Und windiger! Auf dem Rastplatz in einem Tal wurde man beinahe seekrank bei dem Geschaukel im Camper.

In Whitehorse haben wir wieder den Walmart angefahren, der ausdrücklich Wohnmobile auf seinem Parkplatz willkommen heißt. Er ist auch tatsächlich sehr frequentiert, mehr RVs als auf so manchem Campingplatz. Sehr zur Freude von Klaus tauchte ein grüner 911er mit deutschem Kennzeichen auf – da war der Abend schon gerettet! Aber es ist ja wirklich immer eine willkommene Abwechslung, wenn man unterwegs nette Leute trifft.

War auf dem Weg nach Norden nur wenig Mücken-Kontamination,  wurde es nun richtig übel. Fürs nächste Nachtquartier hatten wir einen netten Platz an einem Fluss angefahren, unseren Nachmittagskaffee gebraut und uns auf einen gemütlichen Abend eingerichtet, als wir bemerkten, dass Myriaden der kleinen Blutsauger über uns herfielen. Das fanden wir nicht so gemütlich, sind weitergefahren und haben uns einen anderen Platz
gesucht. Hoch oben über einem See, es war windig – da sahen wir wenig Gefahr. Zu früh gefreut. Es war noch schlimmer als am vorigen Platz. Wie diese Biester überhaupt in unsere Wohnung kommen konnten, war uns ein Rätsel, den wir glaubten, schon vorher alle Schlupflöcher dicht gemacht zu haben. Unfassbar, wie undicht so ein Wohnmobil sein kann! Tür, Fenster, Dachluken – alles professionell mit Insektengittern versehen. Und dennoch strömten die
Heerscharen von Moskitos herein. Da war nun viel zu tun: potentielle Einflugmöglichkeiten abdichten und gleichzeitig die eingedrungenen Quälgeister meucheln.  Klaus jagte sie mit dem elektronischen Tennisschläger, wobei er seine Vor- und Rückhand derart trainiert hat, dass er nun wohl in Wimbledon antreten kann. Derweil habe ich die Applaus-Methode perfektioniert, sie mit den bloßen Händen erlegt. Und jede Menge der Biester an den Fenstern zerquetscht, ins Fliegengitter gematscht.
Bear-Glacier

Weit nach Mitternacht waren wir völlig ermattet und dachten, diese Brut weitgehend erledigt zu haben. Sind müde ins Bett gefallen, nur um gleich wieder den Kampf aufzunehmen. Kein Mensch kann schlafen, wenn diese Viecher um einen herumsummen und sich dabei auch noch ständig vermehren. Es war eine Horror-Nacht! Entsprechend unausgeschlafen und genervt waren wir am nächsten Morgen.
Der nächste Abend, die nächste Nacht waren keinen Deut besser – so arg hatten wir uns das nun nicht vorgestellt. Aber die Hoffnung hat uns nicht
Salmon-Glacier
getrogen: weiter südlich wurde es kälter und vorbei war es mit dem geflügelten Horror. Wie angenehm ist das, am Abend ein Buch lesen zu können, ohne damit ständig nach Insekten schlagen zu müssen. Dabei habe ich übrigens den ersten Nachteil des e-book-readers entdeckt: man kann damit keine Mücken erschlagen.
Aber als eine Entschädigung für den Kleintier-Horror haben wir am Alaska-Hwy wieder zwei Bären gesehen. Weil wir noch viel mehr Bären sehen wollten, sind wir bei Watson Lake nach Süden abgebogen, auf den Stewart-Cassiar-Highway. Die Landschaft drum herum ist richtig schön – zumindest soweit wir das durch den Nebel, die Wolken erkennen konnten. Kalt war’s auch noch und es hat immer wieder geregnet. Dennoch haben wir den Abstecher nach Stewart und Hyder gemacht, der so viel versprechend klang. Trotz des unfreundlichen Wetters haben wir es nicht bereut. Bis Stewart gibt es einige Gletscher,
wovon der Bear-Glacier der Größte ist. Weiter entlang der Grenze von B.C. und Alaska führt eine Straße in die Berge zum Salmon-Glacier, von dem wir immerhin ein wenig gesehen haben. Meist war dichter Nebel, aber hie und da lichtete er sich soweit, dass man einen Eindruck von der großartigen, hochalpinen Landschaft bekommen konnte.
Leider waren wir noch zu früh für die Lachse, die am Salmon-River flussaufwärts zu ihren Laichplätzen schwimmen. Da gibt es am Ufer eine hölzerne Galerie, von der aus man dann die Bären beim Lachs-Fischen beobachten könnte. Aber: keine Lachse, keine Bären. Im Jahr zuvor hätten wir es genau getroffen.
Aber es gibt eine nette Entschädigung: bei Hyder ist eine kanadische Grenzstation, bei der man einen tollen Bären-Stempel in den Pass kriegt! Wenn es sich mal nicht nur dafür lohnt!!! Das schmückt doch einen Pass ungemein….



Freitag, 5. Juli 2013

Wale und Eisberge

Von Tok sind wir zum Wrangell-St.Elias-Nationalpark gefahren, zum Teil durch sehr dichten Oualm, denn in der Nähe tobte ein größerer Waldbrand.  Tags zuvor hatten wir schon unterwegs die Warnungen vor extrem hoher Brandgefahr und die Löschflugzeuge gesehen. Hier in der Gegend hatte es schon länger nicht mehr geregnet.
Im NP sahen wir aber schon die dicken Wolken, die sich an den Bergen stauten. Eigentlich wollten wir die nördliche Straße bis zum Ende in den Park
hineinfahren, aber der letzte Campingplatz war derart von Mücken überbevölkert, da wollten wir dann lieber nicht bleiben. Auch hatten wir angesichts der drohenden Regenwolken die Befürchtung, vielleicht nicht mehr zurückzukommen. Es gibt mehrere trockene und ein recht nasses Bachbett über die Straße, die eventuell bei starkem Regen unpassierbar werden. So sind wir zum ersten Campingplatz zurückgekehrt und hätten uns die Mühe sparen können, Feuerholz zu sammeln, denn es fing bald an zu gewittern und recht heftig zu regnen.
Zwar hatte der Regen am anderen Tag aufgehört, es war aber immer noch recht neblig und kühl.

In Valdez, an der Südküste angekommen, haben wir erst mal Informationen und Preise über die diversen Schiffs-Möglichkeiten eingeholt. Und uns dann für eine Tour durch den Prince-William-Sound entschieden. Klaus hat das schon mal vor 15 Jahren mit einem netten Schiff gemacht und
dafür haben wir uns wieder entschieden, sehr zur Freude der Betreiber. Dafür durften wir dann auch ganz umsonst auf dem kleinen RV-Platz vor dem Büro bleiben, hatten gar Strom und Internet.
Leider war das Wetter nicht ganz so toll, man
konnte recht wenig von der schönen Fjord-Landschaft sehen. Und erst hielt sich auch das Meeresgetier recht zurück. Bis wir dann doch einige der putzigen Seeottern herumdümpeln sahen. Die treiben, auf den Rücken liegend, im Wasser herum und gucken nett. Die gehören zu den wenigen Tieren, die Werkzeuge benutzen. Sie suchen sich Steine, mit denen sie dann Schalentiere auf ihrem Bauch aufklopfen.
Und dann gab es bald auch die ersten Wale. Sehr viel davon sieht mal allerdings nicht. Erst blubbert das Wasser, dann kommt die Fontäne, man sieht die
Rückenflosse und dann schwappt der Schwanz aus dem Wasser. Einige Seelöwen-Plätze hat das Schiff angefahren, wobei der Wind relativ günstig stand, man hat nicht allzu viel von deren recht üblen Geruch mitgekriegt.

Natürlich gehört auch ein Gletscher ins Programm, vor dem die Eisberge – na besser Eishügelchen – malerisch herumschwimmen. Das ansonsten ganz ruhige Meer im Fjord kommt schon ordentlich in Bewegung, wenn Stücke vom Gletscher abbröseln und ins Wasser rutschen.

Aus den angesetzten 5 Stunden waren 8 geworden und der Tag somit ziemlich ausgefüllt.
Wieder Richtung Norden auf dem Richardson-Highway war zwar das Wetter immer noch nicht viel besser, aber die grandiose Landschaft haben wir dennoch genossen. Und bald wurde es sogar sonnig und damit wärmer.
Bei Glennallen sind wir nach Westen auf den Glenn-Hwy abgebogen und haben in Palmer erst mal dem Auto neue Reifen gegönnt und dann Küche und Keller wieder aufgefüllt. Die Versorgungslage ist natürlich nicht so grandios, da muss man schon einigermaßen Vorratshaltung betreiben. Was Dank Kühl-und Gefrierschrank dann ganz gut geht.
Das nächste Ziel war der Denali-Park, zumindest die Nähe davon. Der Park selbst ist das touristische Highlight Alaskas, wegen des Denali – Mt. McKinley – dem höchsten Berg Nordamerikas.
Beim hellen Fleck unten sollte der Denali sein
Leider ist der Park wegen der Attraktivität auch absurd teuer, was es uns nicht wert erschien. Ist es auch wohl nicht, denn den Berg sieht man äußerst selten, vom Park aus wohl noch weniger gut. So haben wir uns mit einer Übernachtung im benachbarten State Park begnügt, wo wir auf ein Paar trafen, dass schon 4 Tage dort zugebracht hatte, weil sie endlich den Denali sehen wollten. Aber keine Chance, Wolken über Wolken.
Nur um einen hohen Berg zu sehen, wollten wir nicht tagelang dort herumhängen, sind auf dem Denali-Hwy wieder Richtung Osten gefahren. Da kriegt man auch viele schöne Berge zu sehen.
Der Highway ist zwar eine Schotterstraße, aber einigermaßen gut befahrbar und die Landschaft daneben ist wirklich schön – so, wie man sich Alaska vorstellt. Das Nachtlager haben wir an einem der zahllosen kleinen Seen aufgeschlagen, die durch Abbrüche von Gletschern vor ca. 10.000 Jahren entstanden sind. Es gab sogar ein wenig des versprochen „wildlife“. Neben Enten und Trompeterschwänen schwammen auch einige Biber im See herum. Und zwei Bald Eagle – Wappenvogel der USA – flogen über den See, ließen sich dann in einem Baum am Ufer nieder.
Wir haben gerätselt, ob die am Vorabend des 4. Juli wohl auf dem Weg zu einem Job Rast gemacht haben – haha.

Und am nächsten Tag ging es gleich weiter mit dem Tierleben. Eine Elchkuh stand am Straßenrand, wollte erst in den Wald, kehrte dann aber blitzschnell um und rannte über die Straße, uns direkt vors Auto. Klaus hatte aber derart abgebremst, dass sie gerade noch vorbeikam. Puhhh, das war knapp! Wenigstens waren die andern Elche, die wir sonst noch so entlang der Strasse gesehen hatten, nicht ganz so verplant.


 
Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche !

Samstag, 29. Juni 2013

Auf nach Alaska

Der Abend auf dem Platz vor den Ogilvie-Bergen war trotz – oder gerade wegen – des Wetters wunderschön.  Der Regen hörte bald auf und ständig veränderten sich die Berge im Licht der Sonne. Da braucht man kein TV, kein Buch, wenn man derart großartige Landschaft vor sich hat.
Der letzte Rest des Dempster Highway war auch der pure Genuss. Das Wetter war wieder sehr freundlich und die Landschaft in der anderen Richtung genauso schön. Oft ist es langweilig, dieselbe Strecke hin und zurück zu fahren, hier war es eine richtige Freude. Auch, weil man sehen konnte, wie viel Fortschritt die Natur in der knappen Woche gemacht hatte. Schnee und Eis waren erheblich abgeschmolzen und ganz andere Blumen begannen zu blühen.

Ja doch, es ist eine wunderschöne Strecke, die uns sehr positiv überrascht hat. So grandios und vor allem abwechslungsreich haben wir sie uns nicht vorgestellt, der Straßenzustand war viel besser als erwartet und keineswegs Reifen mordend.  Vermutlich werden wir uns alsbald ärgern, uns nicht viel mehr Zeit dafür genommen zu haben.
Wenigstens war das Ankommen in Dawson ein nicht ganz so großer „Zivilisationsschock“. Es ist ein wirklich putziges Städtchen, in dem man noch einen Hauch der alten Goldgräberzeit spürt.

Natürlich, weil es liebevoll gepflegt wird.
Mit einer Fähre geht es auf die andere Seite des Yukon und da ist dann gleich ein richtig schöner National Campground am Flussufer. Mit jeder Menge kostenlosem Feuerholz! Wenn das mal nicht romantisch ist – ein Lagerfeuer am Ufer des Yukon River J.

Nach Genuss dessen sind wir anderen Tags Richtung Alaska aufgebrochen, über den „Top of the world“ Highway. Warum der so heißt, wurde bald klar: die Straße führt weitgehend am oberen Ende der Berge entlang, man guckt von oben in die Weite der Landschaft. Und dann hat man irgendwann, inmitten der unendlich leer scheinenden Gegend Häuschen vor sich. Das ist die Grenze Kanada/USA. Die
nördlichste Grenze, die der Kontinent zu bieten hat. Und sicher die gemütlichste. Außer uns war weit und breit kein Auto zu sehen, dennoch mussten wir eine ganze Weile warten, bis die Ampel auf Grün schaltete. Ich bin sicher, der Grenzer musste erst mal sein Computerspiel gewinnen, ehe er sich uns zuwenden konnte.
Noch eine ganze Weile ging es durch menschenleere Gegend dahin, bis mit Chicken die erste Siedlung in Alaska erreicht war. Auch das seinerzeit eine
pulsierende Ortschaft während des Goldrauschs, heute nur ein nostalgischer Rastpunkt für Touristen, deren Hauptattraktion der riesige Bagger ist, mit dem man das Gestein des Flusses nach Gold durchsucht hat.
Tok ist die nächste Ortschaft mit Versorgungsmöglichkeiten und einem sehr unterhaltsamen Campingplatz. Die Konkurrenz scheint hier groß, da muss man sich was einfallen lassen. Der Sourdough-Campground hat in seinem
Restaurant ein nicht nur wirklich leckeres Rentier-Chili zu bieten, es gibt außerdem noch ein Frühstück zu gewinnen, wenn man am abendlichen Pfannkuchen-Werfen teilnimmt. 2 Versuche hat man, einen Pancake in einen Eimer zu befördern und was so simpel klingt, ist gar nicht so einfach. Der Campingplatz-Chef moderiert die Abendunterhaltung sehr spassig, das Publikum geizt nicht mit entsprechenden Kommentaren und alle haben Spaß.
Klaus hat es tatsächlich, eigentlich als einziger, geschafft und nachher sein Frühstück bei einem weiteren „wer-ist-der-eigentliche-Gewinner“-Spiel gegen einen Alaska-Kaffeebecher eingetauscht.
Recht hatter! So ein Becher ist doch eher von Dauer. Und wir frühstücken ja sowieso eigentlich nicht….
Natürlich habe ich unaufmerksames Weibi es versäumt, ihn bei seinem großen Wurf zu fotografieren. Dafür war er so freundlich, meinen kläglichen Versuch zu dokumentieren.



Montag, 24. Juni 2013

Arktischer Sommer

Inuvik ist nicht gerade reich an touristischen Attraktionen, es ist eine künstlich entstandene Stadt, um die Öl- und Gasbohrungen am Nordmeer versorgen zu können. Die große Herausforderung war, im Permafrost-Gebiet eine Siedlung zu bauen. Die Häuser stehen auf Pflöcken, um zu verhindern, das durch die Erwärmung durch das Haus der Frost taut, denn dann würden die Häuser im Matsch versinken. Die Wasserleitungen sind oberirdisch und auch auf Stützen gelagert – es scheint alles gut zu funktionieren.
Mit der Stadtbesichtigung waren wir ziemlich schnell durch, aber es war eh derart heiß, da hielt sich der Unternehmungsgeist in Grenzen. Es hat auch wenig Sinn, mit dem aktiven Programm bis zum Abend zu warten, denn es wird einfach nicht kühler. Nur ein klein wenig, wenn die Sonne ihren Tiefpunkt erreicht hat, aber das ist vielleicht für 2-3 Stunden. Natürlich ist das keine Beschwerde, ich hatte mir nur „arktische Temperaturen“ ein wenig anders vorgestellt, eher mit einem Minus vor den 30°. So wie es die Autonummern-Schilder suggerieren: Polarbär-Land!
Sind diese Schilder nicht allerliebst?

Am 21.6. war nationaler Aboriginal-Tag, der mit großem Programm begangen wurde.  Um 10 Uhr sollte es ein großes Frühstück geben, das allerdings wegen mangelnder Organisation erst gegen 11 Uhr allmählich begann, die angekündigte Parade danach fand gar nicht erst statt. Aber dann, ab Mittag, ging es richtig los. In einer Art Park waren die üblichen Volksfest-Belustigungen aufgebaut: Hüpfburgen, Losbuden, Fress-Stände, Bühne; von der die Honorationen ihre üblichen Begrüßungsfloskeln absonderten. Es folgte der musikalische Teil, 3
ältere Herren mit 2 Gitarren und einer Fidel spielten so was wie Countrymusic, wobei der Fiedler meist haarscharf daneben traf, in  etwa die Qualität von Florence Foster Jenkins. Die Jungs begleiteten dann eine putzige Kinder-Tanzgruppe, die auch tanzmäßig noch in den Kinderschuhen steckte. Aber Spaß hatten sie offensichtlich und das ist ja das Wichtigste.
Sehr lustig waren dann Kostproben der „Nordic Games“, einer Art Olympiade der bekloppten Sportarten. Am Boden sitzen, einen Fuß mit einer Hand festhalten, hochhüpfen und mit dem anderen
Fuß einen kleinen Ball treffen, der an einem Galgen hängt. Auf allen Vieren oder auf dem Hintern sitzend Seil springen. Davon gab es einige Varianten, die mit viel Spaß, Gelächter und  Anfeuern vom Publikum (am eifrigsten von den Kindern) vorgeführt wurden. Und dann kam „Blanket toss“, das
unzweifelhafte Highlight. Mittels eines Sprungtuchs - von ganz vielen Leuten,  die sich weitgehend aus dem Publikum rekrutieren – wird ein Freiwilliger so hoch wie möglich in die Luft geschleudert. Und natürlich wieder aufgefangen. Ein ganz großer Spaß für Jung und Alt! Danach wollten wir eigentlich das Fest für uns beschließen, aber die Inuvik Drummer & Dancer
mussten wir dann doch noch angucken.

Nach der Abfahrt aus Inuvik haben wir das Nachtlager wieder, wie bei der Hinfahrt, hoch über einem Fluss aufgeschlagen. War einige Tage zuvor kaum eine Mücke anwesend, waren nun geradezu Myriaden davon rund um uns. Die auch das winzigste Schlupfloch fanden, um uns innen im Camper zu belästigen, der eigentlich recht professionell mit Insektengittern ausgestattet ist. Den gesamten Abend haben wir damit zugebracht, alle winzigen Schlupfstellen dicht zu machen, von denen man einfach nicht annimmt, dass da noch ein winziges Insekt durchkommt. Und die halbe Nacht haben wir damit zugebracht, die Mistviecher zu erlegen, die
trotzdem noch ’reingekommen sind.
6 Tage zuvor hatten wir an dem Platz ein goldiges älteres Paar aus Oregon getroffen. Beide 90 Jahre und noch mit dem Camper unterwegs. In Inuvik waren wir Nachbarn auf dem „Happy Valley“ Campground und die Beiden wurden auf dem Fest als „Touristen des Jahres“ geehrt. Weil schon so alt und noch so einen weiten Weg gemacht… weil auch noch 71. Hochzeitstag… und sicher, weil die Beiden wirklich ganz liebenswert sind.
Waren wir nach der schrecklichen Mückennacht nicht wirklich ausgeschlafen und etwas entnervt, war es eine freudige Überraschung, die beiden kommen zu sehen. Ein netter Plausch und eine warme Verabschiedung rücken die Welt schnell wieder gerade.

Als  übernächstes „Nachtlager“ haben wir, wie auch schon bei der Hinfahrt, den Ogilvie-Aussichtspunkt angefahren. Kaum standen wir, kam ein deutsches LKW-WoMo vorbei. Wir saßen gerade gemütlich zu Viert beim Kaffee, kamen „unsere“ Holländer. Die wir unterwegs mal verloren hatten und eigentlich am nächsten Tag (möglicherweise….) in Dawson getroffen hätten.
Das Wetter wurde ungemütlich, es gab Regen und Gewitter. Die Deutsche fuhren ein Stück nach Süden, die Holländer weiter nach Norden. Wir blieben und ganz bald kam ein Camper mit einem Paar, das wir beim Aboriginal-Frühstück kennen gelernt hatten. Irgendwie und irgendwo trifft man sich immer wieder….


Mittwoch, 19. Juni 2013

Mücken und Mitternachtssonne

War das Bären-Aufkommen in British Columbia noch außerordentlich hoch, ließ es leider im Yukon Territory mächtig nach, nur noch 4 am nächsten Tag. Aber offensichtlich haben wir eine Menge Glück gehabt, die meisten Leute waren froh, wenn sie überhaupt einen Petz gesehen haben.
In Watson Lake haben wir Mittagsrast in einem netten Park am See gemacht und natürlich die Attraktion – den „Sign Post Forest“ angeguckt. Da hat mal ein heimwehkranker US-Bürger ein Schild seiner Heimatstadt angenagelt und seitdem sammeln sich hier Orts- und sonstige Schilder. Sollte also jemand hier her kommen und sich verewigen wollen: unbedingt ein Ortsschild einpacken ! Ein altes Auto-Nummernschild tut es auch.

Whitehorse ist die Hauptstadt von Yukon und beherbergt mit ca. 27.000 Einwohnern mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung.  Was bei uns ein kleines Städtchen ist, ist hier die Metropole. Am Ortseingang liegt – an Land – ein alter Schaufelraddampfer, sehr liebevoll hergerichtet, den man besichtigen kann. Man bekommt eine Broschüre, die alle Details erklärt und darf dann alleine (und kostenfrei!) das Schiff erkunden. Es bietet zwar nicht ganz den Luxus heutiger Kreuzfahrtschiffe, aber sicher ist es viel schöner, mit so einem Dampfer eine Reise zu machen.
Von hier aus fahren die meisten Leute weiter den
Highway nach Alaska, während wir, versehen mit Gas, Benzin und jeder Menge Futter, nach Norden zum Klondike Highway abgebogen sind.  Landschaftlich ist er ein wenig langweilig, die Fauna hält sich sehr bedeckt (keine Bären!) und der Zustand ist auch nicht mehr ganz so gut.  Da schon Permafrost-Gebiet, hat die Straße viele Frostbeulen und stellenweise gibt es ein rechtes Achterbahn-Gefühl.
Da nun schon sehr weit nördlich, wird es nicht mehr wirklich dunkel. Und es ist richtig warm, auch spät abends noch. Wir hatten schon 28° um Mitternacht, wobei es taghell ist, man braucht kein Licht mehr.
Aber auch die Mücken sind da, an denen wir uns nun sportlich abarbeiten. Schon in Australien gesehen und nun in Amiland gekauft, kommt der elektrische Tennisschläger zum Einsatz. Der verbruzzelt mittels Batterie und Drähten die Insektenbrut. Funktioniert prima! Aber so schlimm wie erwartet ist es mit den Mücken gar nicht, nicht wesentlich anders als bei uns im Sommer.
Eigentlich hätten wir gar nicht nach Dawson City müssen, wenn die Tankstelle vorher an der Abzweigung zum Dempster Highway noch in Betrieb gewesen wäre. Aber tanken war nötig, so haben wir uns einen RV-Platz gegönnt und haben ein wenig
Sightseeing in dem niedlichen Ort gemacht. Der eine Metropole – und die Hauptstadt von Yukon - zu Zeiten des Goldrauschs war, nun wie ein Freilichtmuseum wirkt, aber tatsächlich noch lebt. Vom Tourismus natürlich, aber mit durchaus viel Charme.

Mit dem Dempster Hwy beginnt die letzte Etappe der Reise, ca. 740 Km bis nach Inuvik, auf einer ungeteerten, aber gut befahrbaren Straße. In den Prospekten war vollmundig die Rede vom letzten Abenteuer in Kanada und einer wildromantischen Straße, das ist vielleicht etwas Touristen-Prosa, aber tatsächlich ist die Landschaft überraschend schön und sehr abwechslungsreich. Es ist viel bergiger als wir angenommen hatten und die Tundra ist nicht ganz baumlos, somit gar nicht eintönig.
Zwar hält sich auch hier die Fauna recht versteckt, aber ein paar niedliche Schneeschuh-Hasen (grau, mit weißen Pfoten) kreuzten unseren Weg, an einem Übernachtungsplatz hat uns ein „Arktisches Erdhörnchen“-Paar unterhalten. Und Bären standen wieder malerisch am Straßenrand. Einen haben wir wohl aufgeschreckt, wir haben ihn nur noch in einem Seitenweg recht hurtig davon traben gesehen.

Hinter dem Polarkreis wurde es dann doch ein wenig kühler, zumindest ging ein recht heftiger Wind, bei dem es im T-Shirt etwas zu schattig war. Es ist warm, wenn der Himmel klar und wolkenfrei ist, aber sobald es bedeckt, gar neblig ist, wird es gleich empfindlich kalt. Die Luft ist halt nicht aufgewärmt und hat auch wenig Chancen dafür, denn noch immer gibt es reichlich Schneefelder.

Ungefähr auf der Hälfte des Weges findet man mit dem Eagle Plains Hotel (+ Tankstelle und Werkstatt) zum ersten Mal wieder ein wenig „Zivilisation“ von der wir aber nur die Tankstelle in Anspruch genommen haben. Hotel und Restaurant brauchen wir nicht und der Campingplatz sah nicht sehr einladend aus. In der weiten, menschenleeren Landschaft findet man immer einen Platz, an dem man für die Nacht stehen bleiben kann.
Bis zur Grenze in die Northwest Territories hatten wir prima Wetter, kaum haben wir uns am Nachmittag auf einem netten Platz für die Nacht eingerichtet, kamen von allen Seiten dicke,
schwarze Wolken. Es begann ordentlich zu regnen und zu gewittern und wurde entsprechend kalt. Da waren doch noch mal Socken und warme Pullover angesagt. Aber am nächsten Morgen schien wieder die Sonne und es wurde bald auch wieder warm.
Weiter nach Norden sind zwei Flüsse zu
überqueren, der Peel River und der Mackenzie. Im Winter fährt man einfach über das Eis, im Sommer gibt es jeweils eine kostenlose Fähre. Brücken zu bauen ist wegen des Permafrosts extrem schwierig und damit auch extrem teuer, das lohnt sich bei dem geringen Verkehr nicht.


Iglu-Kirche in Inuvik
Am 4. Tag auf dem Dempster Hwy  sind wir in Inuvik angekommen, die nördlichste Stadt, die man im Sommer über die Straße erreichen kann. Hier geht zwischen Mitte Mai und Mitte Juli die Sonne definitiv nicht unter. So habe ich nun einen Geburtstag mit 24 Stunden Sonne. Und dann auch noch der 60.! Das ist doch mal eine ganz extravagante Variante für so einen Tag.