Sonntag, 27. Februar 2011

Victoria


Der australische Sommer ist nur noch sporadisch das, was uns versprochen wurde. So haben wir, nachdem wir das Tierleben auf Kangaroo-Island erkundet hatten, die Fähre zurück aufs Festland genommen. Und haben in Penneshaw beim Warten aufs Schiff tatsächlich noch die kleinen Pinguine gesehen, von denen es hieß, sie seien auf Mutterschaftsurlaub auf See und nicht daheim.
Sehr lustig war ein Kochbuch, das wir im Visitor-Center gefunden hatten. Da es sehr viele plattgefahrene Tiere auf der Insel gibt, haben zwei Spassvoegel Rezepte für diese Roadkills erfunden. Sollte einem wider Erwarten nichts fürs Abendessen vors Auto laufen, kann man sich immer noch einen Koala rösten.
Zurück auf dem Festland gings weiter ostwärts nach Victoria. In Horsham durften wir ein paar Tage bei der Mutter eines Bekannten von Klaus zu Gast sein und Zivilisation genießen. Was bei dem kühlen Regenwetter der pure Luxus für uns war - abends mal in einem gemütlichen Haus auf dem Sofa sitzen statt frierend im Auto zu hocken. Hedi ist Deutsche aus Bayern, vor mehr als 20 Jahren ausgewandert und hat auf einer Farm gelebt. Davon hat sie viel erzählt und uns einiges von der Gegend gezeigt. Als kleine Revange für ihre Gastfreundschaft haben wir Fußballmatches mit ihrem kleinen Hund ausgetragen. Millie war unermüdlich und ich kann inzwischen wohl in der Damenfußball-Mannschaft punkten.
Weiter nach Südosten wollten wir eigentlich durch die Grampians, einem sehr schönen Naturpark fahren, aber starke Regenfälle zuvor hatten sie nahezu unpassierbar gemacht, wie wir bei einem Ausflug mit Hedi feststellen mussten.
So sind wir nebendran nach Süden gefahren, Richtung Küste. Unterwegs hatten wir mit einem netten Haufen junger Leute, aus Holland, Frankreich und Deutschland, an einem Lagerfeuer einen netten Abend und auf dem nächsten Rastplatz habe ich in der Früh - sensationell! - einen Koala vom Baum klettern sehen. Er trabte über die Wiese, guckte sich um und machte es sich dann auf einem anderen Eukalyptus gemütlich.
In den Otways an der Küste sind wir mal wieder über schwankende Stege durch Baumkronen gewandert. War schon schön, ein kalter Regenwald mag in einem heißen Sommer sehr erfrischend sein, aber wir waren schon nass und durchgefroren. Dennoch toll waren die großen Farnbäume. Die gibt es nur auf der südlichen Halbkugel und auch da nicht gerade inflationär. Farne wie bei uns, aber riesig groß und als Palme getarnt.
Nachdem wir von dem australischen Sommer nicht so richtig überzeugt sind, erhebt sich die große Frage, was wir in den letzten Wochen treiben. Ein wenig Sonne und Waerme haetten wir schon gerne noch gespeichert, ehe es zurueck ins alte, kalte Europa geht.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Kangaroo-Island



Nach 2 Tagen auf einem wunderschönen Platz an der Küste mit sehr vielen lustigen Kakadus in großen Weihnachtsbäumen (Araukarien) sind wir mit einer kleinen Autofähre nach Kangaroo-Island geschippert. Nach anfänglichem Frust, weil alle erreichbaren Campingplätze Baustelle waren, haben wir vorm Nationalpark im Westen der Insel einen Caravan-Park gefunden, der einfach nur sensationell ist. Ein derart buntes, reges Tierleben hatten wir nie in freier Wildbahn, schon gar nicht in einem Nationalpark.
Wunderschöne Papageien segeln herum, in den Bäumen hängen die Koalas ab, wobei eine Mutter mit Baby natürlich das Highlight ist. Gegen Abend fielen die Kängurus ein, kleine, niedliche Wallabies, die ohne Scheu zuhauf zwischen den Campern herumhopsten. Zwei Possums schlenderten vorbei, die kriegt man normalerweise nur als huschende Schatten in den Bäumen zu sehen.
Im Nationalpark haben wir brav die Attraktionen besichtigt, wobei die „remarkable rocks“ tatsächlich sehr interessant waren, die Seelöwen aber doch um einiges mehr an Unterhaltung zu bieten hatten. Denen zuzusehen, wie sie auf den Felsen herumturnen und vor allem, wie elegant sie sich im Wasser bewegen, war schon klasse.
Leider konnte man die Kolonien der kleinen Pinguine nicht besuchen, die haben gerade Brutzeit und sind nicht daheim. So sind wir wieder zurück zum Caravan-Park gefahren und haben gleich mal ein Echidna entdeckt, das genüsslich nach seinen Ameisen gewühlt hat. Diese archaischen Tiere waren beinahe schon ausgestorben, sind Verwandte des Platypus (Schnabeltier) und noch immer sehr selten. In der Nacht zuvor hatten wir eines an einem Baum neben unserem Auto gesehen und waren ganz stolz auf diese Entdeckung. Hier laeuft eines einfach über den Platz.
Wenn es schon Reiseveranstalter gibt, die die Touristen hierher führen, dann muss dieser Platz wirklich eine Sensation sein. Dabei ist er auch noch - für australische Verhältnisse - recht preiswert, allerbestens ausgestattet und nicht einmal sonderlich frequentiert.
Leider ist das Wetter gerade nicht so toll, kuehl und windig. Wir haben bei 19 Grad schon wieder zu Jacke und Pullover gegriffen. :-)

Mittwoch, 9. Februar 2011

Wieder im Süden

Mehr als 3 Monate haben wir nun schon hinter uns und sind ganz im Süden angekommen. Zwar noch nicht in Blickweite, aber gefühlt waren wir der Antarktis sehr, sehr nahe.
Nur noch 18 Grad und Regen - schauder!
Was uns rasch flüchten liess, erst mal nördlich zum Wave Rock, einem laengs gestreiften Felsen, geformt wie eine Welle. Nebenan gähnte ein Nilpferd, ein Felsen, der mit einiger Phantasie tatsächlich wie „Hippos Yawn“ aussah.
Etwas befremdlich allerdings fanden wir, wie diese zwar netten, aber nicht sonderlich spektakulären Attraktionen touristisch ausgeschlachtet werden - das Preis/Leistungsverhältnis stimmte nicht so ganz.
Gerne wären wir weiter nach Norden gefahren, aber es hätte einen Umweg von 2.500 Km bedeutet, somit auch erhebliche Mehrkosten. Also haben wir uns auf den Eyre-Highway gen Osten begeben, um ca. 1.600 Km durch das Grosse Nichts zu fahren. Entlang der Great Australian Bight erstreckt sich die Nullabor-Plain, das angeblich groesste Karst-Gebiet der Welt mit keinen Bäumen, wie der Name sagt (und die Lateiner sicher schon bemerkt haben J).
Es ist das längste Stück Küste der Welt ohne einen Naturhafen und es gibt das längste, gerade Stück Strasse, 146,6 Km ohne jegliche Biegung, Kurve. Heiß war’s, Spitzenwert mal wieder 48 Grad, unser Wasserverbrauch war beinahe so hoch wie der Sprit-Durchlauf des Toyota!
Viel los war nicht in dieser Oednis, außer ein paar netten Ausblicken auf die Felsküste des Südlichen Ozeans, einer Fledermaus, die sich nächtens in unser Auto verirrt hatte und beinahe den Ausgang nicht mehr fand. Auf einem Campingplatz tummelten sich zwei Schlangen, was niemand sonderlich aufregte.
Zwei Zeitzonen haben wir passiert und mussten vor der Grenze nach Südaustralien wieder mal sämtliches Obst und Gemüse vertilgen. Aus Panik vor der Fruchtfliege darf man derlei Viktualien nicht in einen anderen Staat mitnehmen. Hat man doch was dabei, muss es vernichtet werden - die Autos werden durchaus gründlich gefilzt. Nun ja, wenn es nützt…
Wieder in Port Augusta angekommen, hat uns ein Ausläufer des Zyklons erwischt, es gewitterte und goss in Strömen. Der Platz verwandelte sich im Nu in eine aparte Fluss- und Seenlandschaft, aber die Umrüstung als Amphibienfahrzeug war noch nicht nötig. Nur wurde mal wieder ziemlich viel, incl. der Betten, nass. Weiter südlich hörte der Regen alsbald auf und wir kriegten dank eines heftigen Windes unser Zeugs schnell wieder trocken.
Entgegen sonstiger Gewohnheit, Grosstädte möglichst zu meiden, sind wir durch Adelaide gefahren. Die Städte sind relativ unspannend, da ohne lange Geschichte. Karierter Grundriss und die gleichen Hochhäuser wie in Frankfurt oder sonst wo. Aber wir sind auf das Asien-Viertel gestoßen, das sehr bunt war. In einer Art Markthalle gab’s ringsum Stände mit Essens-Angebot: von Vietnam über Korea, Thai bis Japan und China. Für australische Verhältnisse spottbillig und sehr verlockend, da musste ein Mittagessen schon sein.
Nun geht’s nach Kangaroo Island, lt. National Geographic eine der schönsten Inseln im Asiatischen Pazifik. Mal sehen, ob wir die versprochenen Echidnas und Schnabeltiere zu sehen kriegen und es tatsächlich jede Menge Koalas in den Eukalypten gibt.

Sonntag, 23. Januar 2011

Sommer im Süden


Inzwischen sind wir ganz im Süden angekommen, die Nähe weit mehr bewohnter Gebiete ist deutlich spürbar. Die große Hitze haben wir hinter uns und am Abend sind schon wieder hie und da lange Hosen angesagt.
Jetzt bedauern wir es ein wenig, die Nord-West-Küste so schnell `runtergefahren zu sein, denn es war einfach traumhaft schön. Und wir alten Leute haben in dem tropischen Klima unsere Zipperlein vergessen können. Kaum sind wir in gemäßigter Zone, zwickt und zwackt es da und dort wieder. Dafür schläft es sich in den kühleren Nächten entspannter – na ja, man kann nicht alles haben.
Nach den tollen Delphinen in der Shark Bay haben wir in Kalbarri lustige Pelikane gesehen, die dort regelmäßig gefüttert werden. Begleitet von einem Schwarm Möwen, die den großen Vögeln oft erfolgreich die Beute abgejagt haben. Natürlich ist das Touristenbelustigung, aber bei den 2 Handvoll Leuten, die zusahen, ist das sicher noch nicht Pelikan-feindlich.
Weiter Richtung Perth ging es die ganze Zeit direkt an der Küste entlang und neben Einkauf-Stops in Geraldton und Perth haben wir, sooft es möglich war, das Meer besucht.
Nachdem Klaus erfolglos versucht hatte, das Auto auf einer überfluteten Straße zu versenken, ist es ihm gelungen, es am Strand im Sand einzugraben. Jaja, große Jungs wollen auch im Sand spielen. Und die Mädels dürfen dann zur Schaufel greifen und ausbuddeln J.
Auf dem Weg zu einem Naturpark sind wir neugierig einem Schild an der Straße gefolgt, das zu einem „Gravity Discovery Center“ wies. Der Umweg hat sich gelohnt, konnten wir wieder eine Wissenslücke schließen. Man versucht dort, die von Einstein entdeckten Schwerkraft-Wellen zu messen, was bisher noch nicht gelungen ist. Eine nette Schweizerin hat uns alles Wesentliche erklärt und es gab eine Menge anzugucken – das Foucault`sche Pendel funktionierte natürlich auch nicht. Aber es war ein sehr informativer Vormittag.
Im NP haben wir dann Koalas geguckt. Diese plüschigen Gesellen hängen in den Bäumen ab und hätte sich nicht mal einer bewegt, hätten wir geglaubt, für die Leute wären ein paar Stofftiere in die Äste gesetzt worden. Nachts stopfen sie sich mit recht wertlosen Eukalyptusblättern voll, von deren ätherischen Ölen sie offensichtlich recht berauscht sind, so dass sie tagsüber nur herumhängen.
Im Nordwesten war die Landschaft von Baobs (Affenbrotbäume) geprägt, weiter südlich des Wendekreises begann es mit Grasbäumen und nun sind wir bei den Karris angekommen. Das sind sehr hohe, 60 – 80 Meter hohe Eukalypten, die sich zu ordentlichen Wäldern gruppieren. Die richtig großen Exemplare wurden früher als Beobachtungsposten für Waldbrände genutzt und noch heute kann man einige davon erklettern. Eisensprossen führen gewendelt den Stamm entlang nach oben, wo es eine Plattform oder gar ein Häuschen gibt. Aber so sportlich waren wir dann doch nicht, wir haben uns das nur von unten angeguckt.
Apropos Sport: des Australiers Liebstes ist das Angeln, was er an jedem Gewässer und zu jeder Zeit treibt. Der unkundige Tourist wundert sich zunächst über die preisgünstigen Meereserzeugnisse, die es allüberall zu kaufen gibt. Aber das sind Köder, die sogar an Tankstellen verkauft werden – offenbar sind sie lebensnotwendig für den gemeinen Aussie.
Und Barbecue, hier liebevoll Barbie genannt, ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Jeder Picknickplatz verfügt über Grillplätze, oft gibt es sogar kostenlose Gasgrills, die gerne und häufig benutzt werden. In den Parks auch zur Freude der Kängurus – wir haben eine Familie beobachtet, zu deren Mahlzeit sich zwei Hopser gesellten und energisch ihren Teil einforderten. Die Tiere in den Parks in Großstadtnähe sind sehr zutraulich, zuweilen regelrecht aufdringlich, weil sie wissen, dass ihnen niemand etwas tut und oftmals Leckerbissen abfallen.
Ein australisches Seepferd
Und noch einen Sport lieben die Australier, das „abseiling“. Ist schon lustig, deutsche Wörter hier zu finden und sehr amüsiert hat mich die Anzeige einer Firma, die „abseiling“Touren anbot mit dem Slogan „hang with us“.
Nein, wir hängen noch nicht durch, auch wenn die Halbzeit überschritten ist. Nur wissen wir gerade nicht so recht, wohin wir weiter wollen. Hier im Süden ist es recht frisch für australischen Sommer, das hatten wir uns nicht ganz so vorgestellt. Wir werden sehen….

Mittwoch, 12. Januar 2011

Coral Coast


Wer die 7 Plagen erfunden hat, ist definitiv nicht in Australien gewesen. Geht ja auch nicht, der Kontinent war zu biblischen Zeiten noch gar nicht entdeckt. Wir haben mindestens die 8. Plage erlebt: Myriaden winzigster Fliegen, die uns nachts so zugerichtet haben.
Sch… Natur!!!
Das denken sich die Australier vermutlich auch gelegentlich, wie dieses Schild vermuten lässt. Tatsächlich haben wir auf der Weiterfahrt jede Menge platter Hopser am Straßenrand gesehen; die werfen sich bevorzugt in der Dämmerung vor die Autos, drum heißt der martialische Aufbau vorne an der Stoßstange hier auch „Känguru-Grill“.
Wir sind weiter Richtung Süden entlang der Küste, Coral Coast, unterwegs und das Meer wird immer schöner. Blau-grün, weißer Sandstrand mit Dünen, sanft plätschernde Wellen und meist haben wir eine ganze Bucht für uns alleine. Sehr oft kann man auf den Strand fahren und dort übernachten. Da merkt man, wie leer dieser Kontinent ist – nur ca. 20 Mio Einwohner, wovon mehr als 80 % in den größeren Städten lebt. Drum gibt es hier auch kaum Massentourismus, nur in Queensland beim Barrier-Reef soll es arg zugehen.
Wir haben uns stattdessen das Ningaloo-Riff angesehen, das Pendant hier an der Westküste. Vielleicht nicht so spektakulär, weil kleiner – nur ca. 300 Km lang – dafür ganz nah an der Küste, was eine Glasboden-Bootstour erschwinglich macht. Und nur 5 Leute an Bord , also kein Gedrängel um die besten PlätzeJ.
Die Tour am Vortag fiel aus, weil nur wir zwei Interesse hatten. Also haben wir uns auf dem Campingplatz installiert und auf mehr Glück am nächsten Morgen gehofft – mit Erfolg.
Auch auf den Campingplätzen gibt es wildlife. Dieser Waran spazierte gemütlich Richtung Toiletten Es war wohl eine Waranin, denn Ziel war die Damenabteilung.
Coral Bay, von wo aus wir das Riff sehen wollten, ist ein süßer, winzig kleiner Ort, der aus einer Straße und einem traumhaften Strand besteht – die Südsee kann kaum schöner sein. Man stapft 20 Meter durch seichtes, 30° warmes Wasser zum Boot und hat schon gleich die Korallen vor der Nase. Begleitet von Fisch-Schwärmen haben wir eine Stunde nur die wunderschön bizarren Formen angeguckt. Leider war`s nix mit Farbe, die Korallen absorbieren das ganze Sonnenlicht. Aber die Fischlein waren bunt – neongelb, smaragdgrün, bunt gestreift, wie im Aquarium.
Unser nächstes Ziel war die Shark-Bay, wo es etwas fast Einmaliges auf der Welt gibt (nur noch mal auf den Bahamas): noch lebende Stromatoliten. Das sind die ersten Lebewesen überhaupt, ca. 3,5 Mrd. Jahre alt, Einzeller, die den ersten Sauerstoff produziert haben. Kaum zu glauben – ein paar olle, gelegentlich vor sich hinblubbernde Steine haben dafür gesorgt, dass wir leben können. Der sehr hohe Salzgehalt des Wassers in der Bucht (2 x soviel wie im offenen Meer) hat die Stromatoliten vor ca. 3000 Jahren neu entstehen lassen.
Aber nicht nur für diese Lebewesen ist das salzige Wasser gut – wir haben es schon auch sehr genossen, uns einfach durchs Wasser treiben zu lassen, was ohne Luftmatratze möglich ist, es trägt auch so.
Als wir in einer unserer Privat-Buchten eines Nachmittags aufs Wasser guckten, entdeckte ich eine gelbe Schwimmflosse und wir haben uns gewundert, woher ein Schnorchler oder Taucher hätte kommen können. Auch waren die Bewegungen sehr eigenartig, so dass wir schon dachten, einem in Seenot geratenen Schwimmer zu Hilfe eilen zu müssen. Aber die gemeinsam erarbeitete Lösung des Rätsels war: eine sehr große Meeresschildkröte. Wie dann auch das Fernglas bewies. Toll! Und direkt vor unserer Nase, vielleicht 20 Meter vorm Strand.
Aber es sollte noch besser kommen. Trotz Klaus`großer Skepsis gegenüber Touristen-Events sind wir nach Monkey Mia gefahren, wo es freundliche Delphine geben sollte. Kaum waren wir am Strand, der zum Schwimmen freigegeben war, angekommen, als wir schon die Rückenflossen von Delphinen sahen. Stücker 6 sind friedlich durchs seichte Wasser gedümpelt, mitten durch die Schar der Badegäste. Das waren nicht sehr viele und alle hielten still und respektvollen Abstand. Kann man sich so was in Europa vorstellen?

Sonntag, 2. Januar 2011

Meer



Weihnachten am Indischen Ozean = weißer, kilometerlanger, menschenleerer Sandstrand, türkisfarbenes, bacherlwarmes Meer, eine leichte Brise, fast kitschig schöne Sonnenuntergänge. Da kommt kaum Heimweh auf..
Um aber den Neidfaktor nicht gar so hoch zu schrauben - es bedeutete auch: keinerlei Komfort. Warmes Bier, englisches Supermarkt-Ferigfutter, kein Strom, keine Duschen, kein Kellner, der die Drinks serviert.
Wir hatten an einem Abend gar grausliche Industrie-Gnocchi, die kaum aufzupeppen waren und überlegten, ob wir nicht besser damit die Fische bewerfen sollten. Träfen einen Hummer der um Gnade winselt und freiwillig in unseren Kochtopf hüpft.
Leider war dieser Teil des Ozeans recht unbewohnt, so blieb es bei dem Wunschtraum.
Das war nämlich sehr kurions: keine Möwen, und sonstige Vögel, kaum Muscheln am Strand, sehr wenig Krebse und Krabben, keine Quallen, keine Algen. Was natürlich animierte, uns in die Fluten zu werfen, denn das Wasser mussten wir nicht mit bissigem Getier teilen.
Es gab auch keine Fligen, Moskitos und nur sehr wenig Ameisen. So ließ es sich insgesamt doch recht gut aushalten.
Nach 4 Tagen waren wir wieder auf dem Highway und sind ein wenig ins Landesinnere gefahren. Unterwegs fanden wir eine Farm, die Stellplätze vermietet, was eine ganz lustige Erfahrung war, wenn man Schrottplatz-Ambiente schätzt. Aber es gab Toiletten, Duschen, eine Küche und kostenlose Waschmaschinen. Abends durften wir mit den Leuten von der Farm beim Feierabend-Drink sitzen und das war recht interessant. Ein bunter Haufen von Leuten aus ganz Australien, unterschiedlichsten Alters. Nur schwer zu verstehen sind sie, der Slang ist sehr gewöhnungsbedürftig.
Weiter südlich landeten wir im heißesten Eck Australiens, der Pilbara. Und endlich gab es mal ein Stück Gegend, das man tatsächlich Wüste nennen konnte, sehr zur Freude von Klaus. Außer der Hitze – Spitzenwert 48° - wars nicht so furchtbar beeindruckend, auch die Nationalparks haben uns nicht gerade vom Hocker gehauen.
Silvester haben wir auf einem Campingplatz verbracht und uns ein wenig gewundert, dass alle normal schlafen gingen, was hier heißt: spätestens um 22 °° ist es totenstill. Sowas wie ein Feuerwerk gab es auch nicht, ich dachte schon, mein Kalender geht nach.
Jetzt sind wir wieder am Meer und die See-Brise ist bei weitem angenehmer als der heiße Wüstenwind, der einem fast die Ohren verbrannt hat. Endlich wieder bei erträglichen Temperaturen schlafen können, statt im Auto bei Backofenhitze im eigenen Saft vor sich hinzuschmoren.
Ca. 800 Km weiter südlich ist der Indische Ozean sehr viel mehr bewohnt. Am Strand finden sich Schnecken in allen Formen, Farben und Größen. Nicht sehr viele Muscheln, dafür Austern und sehr, sehr viele Korallen. Hier ungefähr beginnt ein großes Korallenriff vor der Küste, das angeblich sehr viel schöner als das Great Barrier Reef im Pazifik sein soll. Viel näher an der Küste liegt und (noch) ohne den großen, teuren Touristen-Zirkus. Wir sind sehr gespannt, auch auf die Mantas, Delphine und Walhaie, die man angeblich zu sehen bekommt.
Aber erst mal genießen wir einen Tag am Strand, freuen uns über Möwen-Besuch und gucken sonstige Seevögel. Klaus hat einen Pelikan entdeckt – vielleicht sehe ich den einen oder anderen Geha oder Montblanc??

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Westwärts


Die Regenzeit hatte nun richtig begonnen, wohl tatsächlich, wie wir in Darwin lasen, ca. 14 Tage zu früh. So kriegten wir von den Kimberleys, auf die Klaus sehr gespitzt hatte, nicht mehr allzu viel zu sehen, am meisten noch das Schild „road closed“.
Die unbefestigten Pisten werden im Nu zu einer sehr rutschigen Angelegenhiet, in den Senken steht das Wasser, da geht gelegentlich nur noch „Augen zu und durch“.
Wenn es schon so auf den freigegebenen Strassen war, kann man sich vorstellen, warum die anderen geschlossen wurden.
Kommen wir also wieder zu der allseits beliebten Rubrik „Das Tier und wir“.
Auf einem netten, schattigen Rastplatz abseits der Straße flatterte uns, als wir gerade beim Morgenkaffee saßen, ein Kakadu auf die Plane am Auto. Hing dann kopfüber `runter, um zu gucken, was es bei uns zum Frühstück gibt. Man ist ja gastfreundlich und ich habe ihm ein Stück Keks angeboten. Das hat er weggeknabbert, aber die Lage war ihm doch wohl zu unbequem, er kam `runter, um die weiter dargebotenen Kekse mit uns bei – na ja, mehr unter dem – Tisch zu sich zu nehmen. Wobei er die Kekse grazil in einer Kralle hielt und knurpselnd davon abbiß. So wohlerzogene Tischgesellschaft hat man gerne im Busch. Auch wenn er uns fast die ganzen Kekse weggeputzt hat…
Ein paar Tage später war es mal wieder Zeit für große Wäsche und damit den Luxus eines Campingplatzes. Als wir abends in der offenen Küche werkelten, quakte gelegentlich recht lautstark ein Frosch herum, der aber nicht zu entdecken war. Als einzig denkbarer Wohnort  erschien uns ein Getränkeautomat, der außer Betrieb war.
Wenn wir da einen Dollar einwerfen und auf „Cola“ drücken – ob dann der Frosch `rauspurzelt?? Aber vielleicht war´s ja ein Sprite- oder ein Fanta-Frosch? Man kennt sich mit australischen Fröschen ja doch nicht so gut aus und das wäre vielleicht auch zu sehr ins Geld gegangen. Außerdem waren die Münzen eh schon fürs Waschen draufgegangen. Und dann fanden wir des Rätsels Lösung.  Der Frosch saß unter einem Fernseher. Es war ein Tagesschau-Frosch! Hätte man sich ja denken können bei dem Gequake!!

Nun sind wir wohl dem Regen entkommen und machen in Broome, an der Nord-Westküste, ein wenig Station. Broome liegt auf einer Halbinsel im Indischen Ozean und wir haben einen Campingplatz direkt am Meer gefunden. Als wir in die Stadt gefahren sind, haben wir erst mal sehr, sehr lachen müssen, denn endlich sahen wir das, was wir schon die ganze Zeit vermisst hatten: den großen, roten Rotel-Bus! Wohin man auch kommt auf der Welt – Rotel ist auch da.
Wie immer, wenn wir mal in einer Stadt sind, muß das Auto versorgt werden. Dieses Mal brauchte es einen neuen Auspuff und der Tacho hatte seinen Geist aufgegeben. Kein Wunder eigentlich bei ca. 576.000 Kilometern. Wovon gut 10.000 Kilometer wir bisher gefahren sind.
Nun müssen wir uns noch mit Vorräten eindecken, denn Weihnachten ist auch hier alles zu. Auch wollen wir weiter die Westküste `runterfahren und dann ist erst mal für viele, viele Kilometer kaum Zivilisation. Nur Meer auf der einen, Wüste auf der anderen Seite des highways.
Allseits also ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes, neues Jahr wünschen Euch die beiden aus down under!