Montag, 16. April 2012

In die kalte Heimat


Nördlich der Pyrenäen, in Frankreich, war deutlich schöneres Wetter, es grünte und blühte, so war es eine Lust, durch die Landschaft zu fahren. Und wir hatten Lust, noch mal einen romantischen Spaziergang durch Mirepoix zu machen, wo wir vor 2 Jahren schon mal bei sehr viel schlechterem Wetter waren. Das ist ein süßes mittelalterliches Städtchen, das Klaus seinerzeit ein wenig zu puppenstubig fand. Ist es auch eigentlich, aber doch mal eine schöne Alternative zu den ansonsten recht protzigen und wehrhaften französischen Städten.  Wie z.B. Carcassone, an dem wir auf dem Weg zu Klaus’ Bruder vorbeifuhren.
Nach ein wenig familiärem Austausch und einer netten Einladung bei Freunden von ihm haben wir uns weiter auf den Heimweg gemacht und wollten noch einen nostalgischen Ort besuchen. In Arles hatten wir vor 2 Jahren einen herrlichen Standplatz am Ufer der Rhône mit sehr viel Spaß und das wollten wir noch mal. Wie es so ist  - Wiederholungen sind langweilig und es sollte auch gar nicht sein. Wir kamen nicht in die Stadt, weil alles wegen eines Volksfestes abgesperrt war. Also haben wir uns ein wenig weiter an der anderen Uferseite installiert und haben uns dann ins Getümmel gestürzt.
Und gleich noch ein wenig Stadtbesichtigung absolviert. Arles ist das Tor zur Provence, hier hat Van Gogh gemalt, es ist auch schon ein wenig Camargue – und gar schon ein wenig spanisch.
Das zeigte sich auch in den zahllosen Fress-Ständen in der Stadt, wir wussten gar nicht so recht, wofür wir uns entscheiden sollten. Bis ich – bin ich vielleicht doch ein wenig gestört? – einen Stand mit Moules et frites entdeckte. Ist ja eigentlich belgisch, aber das brauchte ich gerade wohl für das Multi-Kulti. Und es war so viel, wir haben eine Portion zu zweit genossen.
Als wir zum Auto zurückkamen, war das deutsche Paar des Unimog, vor dem wir geparkt hatten, auch schon zuhause und es war ein sehr vergnüglicher Abend zusammen, im Wohnzimmer vom blauen Auto.
Am nächsten Tag haben wir uns auf den Weg in die Schweiz gemacht, wo Klaus Freunde besuchen wollte, die in einem kleinen Ort nahe Zürich wohnen.  Und dann ging es endgültig zurück nach hause.
Da sind wir nun angekommen und frieren erst mal. Und planen schon wieder emsig die nächsten Reisen.

Samstag, 7. April 2012

Hola Espana


Das war natürlich fabelhaft, bei einer deutschen Familie zu Gast zu sein. Die Eltern sind Lehrer an einer deutschen Schule, leben nach ein paar Jahren in Chile nun mit 3 halbwüchsigen Jungs in Andalusien. So kann’s auch gehen, wenn man mutig ist.
Wir haben es sehr genossen, in einem komfortablen Heim freundschaftliche Gastlichkeit zu erleben, da ist die Rückkehr nach hause gleich mal viel entspannter.
Die Costa del Sol machte ihrem Namen nicht gerade viel Ehre, aber Sonne und Wärme hatten wir ja genug, da war nicht wirklich ein Grund zur Reklamation.
So gut gestärkt konnten wir uns gemütlich auf den weiteren Heimweg machen.
Und haben uns mit Begeisterung in die Einkäufe gestürzt, die Vorräte für die Weiterfahrt mit köstlichen spanischen Lebensmitteln aufgefüllt.
Eigentlich wollten wir ein wenig Touristenprogramm mitnehmen, aber für die Besichtigung der Alhambra in Granada einen Haufen Geld zu zahlen, damit wir erst mal 2 Stunden anstehen müssen, fanden wir dann doch etwas zu anstrengend. Haha….
So sind wir an der Sierra Nevada vorbei durch Kastilien gefahren. In La Mancha hat Don Quichote tatsächlich alle Windmühlen besiegt, es gibt keine mehr. Allerdings wächst die nächste Generation heran – lange dünne Beton-Spargel mit 3-Flügel-Rotoren. Die Kinder werden heutzutage wirklich immer größer als die Eltern…
Die Mancha ist erst mal nur flach, wird dann aber richtig schön hügelig. Leider war uns das Wetter nicht ganz wohlgesonnen, im wahrsten Sinne des Wortes. Es war eher trüb und regnerisch. Aber wir fanden einen wunderschönen Übernachtungsplatz  bei  Pfirsichbäumen inmitten von üppig blühendem Rosmarin, spriessendem Thymian und Salbei. Da konnte ich die Kräutervorräte auffüllen und wir hatten ein formidables Abendessen, anschließend gab es noch ein schönes Gewitter im Auto-Kino
Das leider kein besseres Wetter mitbrachte, es war auch am nächsten Tag kühl, bewölkt und zeitweise recht neblig, mit nur ein wenig Sonne rund um Zaragoza. Aber auch wir wurden da ein wenig erheitert, denn ein Brite zwang Klaus zu einer Verkehrsübertretung. Der fuhr sehr langsam auf der linken Spur der Autobahn, Klaus hupte ihn an und er winkte, wir sollten rechts vorbeifahren. Weil er nämlich das blaue Auto fotografieren wollte, was bei einem rechts gesteuerten Auto so natürlich ganz gut geht.  Wir haben alle sehr gelacht.
Inzwischen haben wir in Andorra unsere Großeinkäufe getätigt. Die Hausbar ist aufgefüllt, Wildschwein-Salami, spanischer Käse und Schinken türmen sich und getankt wird morgen, der Diesel ist hier um einiges billiger als daheim. Den Nachmittag haben wir damit zugebracht, den Leuten zuzugucken, die das Auto umrunden und Fotos machen. Ich bin doch sehr dafür, ein Kassenhäuschen und Besichtigungszeiten einzurichten. Vermutlich können wir uns damit die nächsten Reisen finanzieren.
Wir sind ca. 1.600 Meter hoch und es liegt noch reichlich Schnee. Da ist natürlich jede Menge Skitourismus über das lange Osterwochenende.


Hallo Europa


In Afrika wurde unsere Geduld noch mal ein wenig strapaziert, denn für den kleinen Hopser durch die Straße von Gibraltar, von Tanger nach Algeciras, brauchten wir beinahe den ganzen Tag.  Erst mal lief es ganz gut, Ticket-Kauf und Ausreiseformalitäten waren schnell erledigt, eine Fähre stand bereit, aber die wollte uns nicht mehr mitnehmen, war offensichtlich schon voll. Also auf zum nächsten Schiff, das um 11 Uhr ablegen sollte. Es kam nur erst gar nicht an, wegen des heftigen Seegangs, hieß es. Was durchaus glaubhaft war, denn es blies uns noch immer heftig um die Ohren.
Also erst mal Brotzeit und Plausch mit den Nachbarn, wobei die Franzosen mit ihren ach so professionellen Autos die weitaus Entspanntesten waren – die LKWs veranstalteten ungeduldige Hupkonzerte und ein deutscher Wohnmobilist vor uns echauffierte sich heftig über die afrikanischen Zustände. Und fuhr dann vor lauter Erregung gleich mal eine Absperrung um.
Gegen 15 Uhr konnten wir endlich auf die Fähre, in der es mehr als eng zuging.  Was beim Hineinfahren noch nicht das Problem war, das tat sich erst beim Verlassen, nach ca. 1 ½ Stunden Überfahrt, so richtig auf.  Ein Wohnmobil vor uns kriegte die Kurve nicht ganz, schrammte an einem LKW entlang. Ein WoMo neben uns fuhr derweil etwas schräg rückwärts und krachte ihm volle Lotte in die andere Seite.
Klaus musste gefühlte 10 x vor und zurück rangieren, um endlich auf die Ausfahrtsspur zu kommen. In der ein großer LKW die Kurve auf die Rampe nicht kriegte. Also sollten erst mal wir raus, aber der große Blaue ist auch nicht ganz so schmalbrüstig, trotz eingeklappter Spiegel waren nur sehr wenige Zentimeter zu beiden Seiten befahrbarer Raum. Und da das Hinterteil des Autos, zumindest oben, ein wenig breiter als Vorderteil ist, machte es dann doch noch sehr unangenehm krrracks und knirrrrsch. Wir hatten ein wenig der Elektroinstallationen an der Wand mitgenommen. Aber das Licht im Schiff fiel nicht aus (hätte Klaus sehr viel Spass gemacht) und wir konnten unbehelligt – haha – die Fähre verlassen. Vermutlich ist das Schiff immer zu spät, weil es erst mal nach einer Tour alle Schäden beseitigen muss.
Vielleicht sollte man darüber nachdenken, nicht eine riesige Menge von inkompetenten Einweisern zu beschäftigen, statt dessen ein wenig in die Ausbildung zu investieren. Nach Analyse dieses Fähren-Desasters kamen wir nämlich drauf: gerade wenn’s eng wird, sollte jeder wissen, was er tut. Und das wussten die wuseligen Einweiser offensichtlich nicht.
Das Wetter war ganz passabel, aber leider war es recht dunstig, so dass  Gibraltar nur schemenhaft zu sehen war.  Wobei es ja gar nicht der markante Punkt zum Übergang zwischen Afrika und Europa ist, Tarifa ist viel näher an Afrika.
Je nun – wir sind wieder in Europa. Haben uns nach Marbella begeben, wo wir Freunde von Klaus besucht haben.

Kiff-Rif


Na, hat ja doch noch geklappt mit dem Internet auf dem Campingplatz, allerdings funktionierte es nur im Rezeptionsbüro. Mit den warmen Duschen war es aber nix, zumindest nicht in der Damen-Abteilung. Da rieselte ein wenig kaltes Wasser, bei Betätigung des Warmwasserhahns passierte gar nichts. So habe ich unser eigenes ca. 0,5 qm Badezimmer vorgezogen, auch wenn es ein wenig eng um die Hüften ist. Aber bei meinen nicht gerade üppigen Formen ist das nicht das ganz große Problem.
Eigentlich wollten wir noch ein wenig durch Fes bummeln und ein paar (nicht wirklich dringend nötige) Dinge besorgen, aber in Anbetracht des unglaublichen Verkehrs und der Tatsache, dass Fes auch nur noch eine quasi weltweit austauschbare Großstadt ist, haben wir uns das geschenkt. Zumindest können die Fessi weitaus besser hupen als Auto fahren.
Damit wir nicht die selbe Strecke zurückfahren müssen, haben wir uns für die östliche Straße Richtung Norden entschieden, was eine ganz gute Idee war. Es tat sich hinter der Stadt eine zauberhafte Landschaft auf, die hügelig und frühlingshaft grün war und uns stellenweise an die Toskana erinnert hat.
Interessanterweise wurden die Leute immer freundlicher, was aber, wie wir dann entdeckten, nicht unbedingt nur uns als nette Menschen galt. Verwegen und abenteuerlustig, wie wir nun mal sind,  waren wir nämlich auf dem Weg nach Ketama, was das Hauptanbaugebiet von Hanf in Marokko ist.  Und wir sind ja nun mal DIE potentielle Kundschaft. Alte graue Zausel mit einem komischen selbstgebastelten Auto. Die Alt-Hippies schlechthin….
So hat es mich nicht unbedingt gewundert, als wir, auf der Suche nach einem netten Übernachtungsplatz gleich eine freundliche Einladungen bekamen. Klaus war erst mal ein wenig indigniert, weil ich der absolut nicht folgen wollte. Habe ich ihn schon mal als „Sozialromantiker“ beschimpft, erschien mir das jetzt noch mal passender. Ich konnte einfach nicht glauben, dass die Leute nur einen netten Plausch mit Europäern wollten und hatte gar keine Lust auf zweifelhafte Geschäfte.
Worauf es natürlich hinauslief, denn als wir ein schönes Plätzchen mit Aussicht gefunden hatten, liefen die Leute uns die Hütte ein und quatschten uns voll.  Klaus hat mit allen  ausführlich geplaudert, während ich mir beim Abwasch Gegenstrategien ausgedacht habe. Das nächste Mal nehmen wir jede Menge Alkohol mit und verhökern den an die armen Moslems, die den nicht dürfen. Und uns ständig drum angegangen sind…!
Im Reiseführer wird ausdrücklich vor den Gefahren in diesem Gebiet und der Aggressivität der Verkäufer gewarnt, die vor keinem miesen Trick zurückschrecken.
Wir haben uns über die „Aggressivität“ schlappgelacht, mit der uns die Gratis-Warenproben nur so aufgedrängt wurden. Es war jedenfalls sehr lustig und nun mal gar nicht gefährlich.
Nee, die Jungs machen die großen Geschäfte anderweitig, die paar Touristen sind nur ein nettes kleines, amüsantes Zubrot. Natürlich wird versucht, Kontakte herzustellen und vielleicht findet sich ja auch der eine oder andere Freak, der das Risiko eines Schmuggelgeschäfts einzugehen bereit ist. Aber wenn man deutlich macht, kein Interesse an derlei Geschäften zu haben, ist es auch schon gut.
Nun ja, will man Land und Leute kennen lernen, gehören solche Sachen auch dazu.
Dummerweise hatten wir am nächsten Tag nicht so viel von der landschaftlich schöneren Strecke, die Berge zogen es vor, sich in dicken Nebel zu hüllen. Gelegentlich war der so dicht, da konnte man kaum mehr die Schlaglöcher in der Straße erkennen.
Aber ohne abzustürzen sind wir bis kurz vor Tanger gekommen, haben einen gemütlichen Platz für die Nacht gefunden,  auf dem uns der Wind ordentlich umweht.
Und morgen geht es wieder zurück nach Europa.

Sonntag, 25. März 2012

Affenzirkus


Zwei Tage Rast bei der Source bleue waren ganz sinnvoll, um endlich die letzten Sanddünen aus dem Auto zu entfernen, Decken und Polster auszustauben, derweil Klaus unterm Auto lag und ein wenig gerichtet hat. Übliche Arbeitsverteilung halt: er außen, ich innen, was sich ganz gut bewährt hat.
Um die Heimfahrt noch ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, haben wir noch ein paar Abstecher in den Atlas gemacht. Ein Rundkurs, der zwischen Hohem und Mittleren Atlas führt, war leider nicht komplett möglich, weil ein Teil der Piste durch eine Steinlawine versperrt war, die Alternative war in einer Kurve etwas sehr eng für das große Auto.  Eine Nomadenfrau erklärte uns gestenreich, wie wir weiter kommen könnten, der Empfehlung sind wir auch gefolgt, weil wir nicht umkehren wollten. Unterwegs trafen wir immer wieder Schafhirte, die uns freundlich begrüßten und allesamt Zigaretten schnorrten.  Da wir uns noch in Mauretanien reichlich eingedeckt hatten ( ca. 3 – 9 € für eine Stange), konnten wir großzügig sein. Auch ist das eine andere Sache als die Leute, die einen an den Hauptstraßen mit allen möglichen Tricks anhalten und einem dann was verkaufen oder einen anbetteln wollen.  Sehr beliebt: per Geste oder mit einer leeren Flasche winkend um Wasser bitten.  Wer ist schon so hartherzig und verweigert armen Leuten einen Schluck Wasser – und schon haben sie dich….
Je nun – dieser Ausflug in den Cirque de Jaffar war schon schön, leider das Wetter nur teilweise. Aber wir konnten dennoch ein paar schöne Ausblicke auf den Djebel Ayachi erhaschen, ehe gegen Mittag alles wieder in Wolken lag.
Bei Azrou sollte es in einem Naturpark eine uralte, sehr große Zeder geben, also sind wir dorthin gerumpelt. Um haufenweise Andenkenbuden und sonstigen Touristenzirkus zu entdecken. Die Zeder war ein mehr als toter Baum und sicher nicht die Attraktion dieses Platzes, die waren ganz offensichtlich die Berberaffen, die dort herumturnten.
Ein Stück weiter haben wir einen schönen Übernachtungsplatz im Wald gefunden und hatten am nächsten Morgen das ganz große Affentheater rings ums Auto.
Eine ganze Horde tobte herum, richtig putzig war natürlich der Nachwuchs, der von den Bäumen aus Wettspringen aufs Autodach veranstaltete und dort herumpolterte. Ein gesetzterer Affenherr hockte im Geäst genau vor unserem Badezimmerfenster und beobachtete uns neugierig bei der Morgentoilette.
Vermutlich fanden die es genauso lustig, uns zu beobachten wie wir, uns über sie zu amüsieren.
Es ist doch immer wieder schön, wenn man Programm geboten kriegt, das man gar nicht gebucht hatte.
Mittlerweile sind wir in Fes, haben uns den Luxus eines recht teuren Campingplatzes geleistet und sind ein wenig frustriert. Weder gibt es die versprochenen warmen Duschen noch ist eine Internetverbindung herzustellen. Hoffen wir, dass da noch nachgebessert werden kann.


Durch den Hohen Atlas


So richtig toll war das Wetter auch am anderen Tag nicht, so haben wir uns den Weg zum Toubkal geschenkt, sind Richtung Marrakech weitergefahren, um Küche, Keller und Tank wieder aufzufüllen. Aber auf dem Weg dahin konnten wir doch noch einige Ausblicke auf Toubkal & Nachbarn erhaschen.
In Marrakech überkam uns nicht gerade die große Lust auf das Touristenprogramm angesichts der angebotenen Attraktionen. Man mag uns Banausen heißen, aber viel mehr vom Land kriegt man doch abseits der großen Städte mit ihrer musealen, potemkinschen Kultur mit, finde ich.  Immerhin haben wir bei unserer Versorgungs-Tour ein ähnliches Programm absolviert wie die Leute im Sightseeing-Doppeldeckerbus.
Und so machten wir uns auf den Weg zum nächsten Pass über den Atlas, den Tizi-n-Tichka. Der uns dann doch von der Schönheit des Hohen Atlas überzeugen konnte. Das Wetter war auch perfekt – was will man mehr?
Natürlich fehlte auch Rotel-Tours nicht, wie kann es anders sein an schönen Stellen auf der Welt.  An einem Aussichtspunkt war natürlich ein ausgiebiger Plausch mit Sepp, dem Fahrer, angesagt.  Klaus war neidisch auf seine vielen, vielen PS und er vermutlich auf unsere Unabhängigkeit. Tja… Wir sind halt im Einfamilienhaus unterwegs, die Rotel-Leute in einer Mietskaserne.
Mittlerweile war mal wieder ein wenig Wäsche waschen angesagt und da es hier an Campingplätzen, vor allem mit Waschmaschine, mangelt, hatten wir unsere eigene in Betrieb genommen. Eine Plastiktonne mit Deckel, in die man Wasser, Waschpulver und die Wäsche einfüllt, ca. einen Tag lang im Auto durch die Gegend rumpelt und schon ist alles sauber. An einem Bergbach fanden wir eine ideale Stelle zum Spülen, was einige Frauen, die dort auch gerade wuschen veranlasste, ihre Arbeit umgehend einzustellen, sich die besten Plätze zu sichern und den bekloppten Europäern zuzugucken.
Wenn die dann mal nicht daheim ihren Männern erklärt haben, dass Wäsche waschen in Europa durchaus auch Männerarbeit ist.
Denn gerade als wir fertig waren, kamen Männer, die eine große Ziegenherde über die Straße einen Hang hinauf trieben.  Ich weiß ja nicht, was die einfachere Arbeit ist.
Frisch gewaschen, gut gelaunt und sonnenbeschienen konnten wir den Rest des Hohen Atlas genießen.
Um uns dann auf die Straße der Kasbahs zu begeben. Die Kasbahs sind größere Gebäude, in denen Familien/Stammesverbände wehrhaft zusammen lebten. Tolle Sache, die aber wohl auch hier nicht mehr so richtig funktioniert, da sie meist verfallen sind.
In Ait-Ben Haddou ist eine zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden. Sieht auch wirklich toll aus. Aber sie ist nur deshalb so spektakulär und ein Touristenmagnet, weil Orson Wells sie als Kulisse für einen Film hat herrichten lassen.
Das ist so eine Schnittstelle zwischen Schein und Realität – die Hollywoodisierung des
Lebens….??
Am nächsten Tag gondelten wir weiter die Straße entlang, die im Übrigen auch noch durch ein Rosen-Anbaugebiet führt. Überall wird Eau de Rose angeboten, wobei die Marketingstrategie noch ein wenig ausgefeilt werden sollte. Ein Laden hatte ein Gestell mit jeder Menge Gaskartuschen vor der Tür und darüber ein großes Schild „Eau de Rose“.  Mit der Verpackung täte ich das ja nicht so gerne kaufen….
Da wir noch mal eine Ladung Wäsche zu spülen hatten, haben wir einen Abstecher in die Gorge du Todra gemacht. Nee, nicht nur deswegen, die Schlucht ist schon wirklich sehr schön und den Weg allemal wert. Vor allem aber, wenn man beim Touristenbusse-Umkehrpunkt weiterfährt. Hinter den Souvenierständen tummeln sich noch ein paar Verwegene, die Klettern üben und dann ist man alleine mit der grandiosen Geologie des Gebirges.
Und wir hatten das Glück, zwei Steinböcke zu beobachten. Die waren unten im trockenen Flussbett, sprangen in den Hang, als wir näher kamen, spazierten dann aber einige Meter im Berg gemütlich vor sich hin. Die sind perfekt getarnt, wir konnten sie im Hang nur entdecken, weil wir sie zuvor nach oben haben laufen sehen.
Ausgerechnet da fuhr ein britisches Auto an uns vorbei, dessen Insassen vermutlich dachten: Die spinnen, die Deutschen. Hocken da und glotzen eine Felswand an. Wenn die gewusst hätten, was wir da angucken! Und das wir nur 50 % Deutsche sind, haben sie auch nicht gesehen.
Vielleicht sind wir ja wirklich ein wenig schräg, denn eigentlich hat uns dennoch der Anti-Atlas einen Tick besser gefallen. Der ist karger, unzugänglicher und viel weniger erschlossen. Wir hatten nichts erwartet und fanden uns unversehens in einer grandiosen Landschaft. Das sind so die Freuden des Reisens.

In den Atlas


War auf der Hinfahrt der Atlantik eher grau und nicht sehr einladend, hatten wir nun ein strahlend blaues Meer als Kulisse bis Tan-Tan Plage.  Ab da geht die N 1 im Landesinneren weiter und in Tan-Tan konnten wir wieder die Gendarmerie beim Abkassieren beobachten. Am Ortsrand gibt es einen Kreisverkehr, der – Gipfel der Unsinnigkeiten! – innerhalb des Kreises an jeder Zufahrt Stop-Schilder stehen hat.
Natürlich beachtet die niemand, der es nicht besser weiß, und bei der Hauptausfahrt steht die Polizei. Wenn das nicht eine pfiffige Idee ist, die Gemeindekasse aufzubessern…
Noch ein ganzes Stück ging’s weiter nach Norden, durch die westlichen Ausläufer des Anti-Atlas. Bei Tiznit sind wir nach Osten abgebogen, hinein in den Anti-Atlas.  Die Straße hat ganz zu Recht in den Karten die grüne Kennzeichnung, die Kulisse zu beiden Seiten ist wunderschön. Da sie zwar ein wenig eng und sehr kurvenreich, aber prima geteert ist, hat es uns dann nicht groß gewundert, als wir in Tafraout eine ganze Heerschar von weißen WoMos sahen. Das ist schon ein schöner Platz zum Überwintern, ganz ohne Frage.
Keine Frage war aber auch, dass Klaus da nicht bleiben wollte, zudem war es noch ein wenig früh am Tag.  So sind wir noch ein gutes Stück weitergefahren, bis wir ein hübsches Plätzchen inmitten blühender Bäume fanden. Allerdings wurde es bald recht schattig, immerhin waren wir ca. 1.600 Meter hoch. Temperaturen im beinahe einstelligen Bereich sind wir gar nicht mehr gewöhnt und so war Puscheldecken-Einsatz nötig. Und Socken für mich….
Aber der Frühling ist schon heftig ausgebrochen, es grünt und blüht, soweit es die karge Landschaft zulässt.
Am nächsten Morgen hatten wir dafür das ganz große Auto-Kino. Ein wenig die Straße weiter und es gab beinahe atemberaubende Panoramen. Die in ihrem Ausmaß gar nicht zu fotografieren und auch nicht zu schildern sind – man muss es gesehen haben.
Entweder haben wir einen seltsamen Geschmack oder es hat bisher noch niemand so recht die Schönheit dieses Gebirgszuges entdeckt. Wir waren jedenfalls beeindruckt und hingerissen.
Und fuhren ganz erwartungsfroh Richtung Hoher Atlas, erst mal durch eine schöne Ebene, voll mit Orangenplantagen. Bis wir dann den Tizi-n-test, einen Pass mit knapp 2.100 Metern, hochgekrabbelt sind.  Ja, schon sehr schön, aber wir waren nach dem ganz großen Kino zuvor offensichtlich verdorben.  So wild und gefährlich, wie im Lonely-Planet-Führer geschildert, war die Straße nun wirklich nicht, da haben wir schon ganz andere Sachen erlebt. Und bergmässig wars hoch, nett angeordnet, aber nicht wirklich spektakulär.
Entschuldigend muss man vielleicht dazu sagen, dass das Wetter schlechter geworden ist.  Hatten wir in der Früh noch strahlenden Himmel mit viel Sonne, so hatte es sich später immer mehr bewölkt und oben am Pass wehte ein recht frischer Wind.
Wollen wir hoffen, dass das Wetter sich bessert und wir wenigstens noch einen Blick auf den Toubkal, den höchsten Berg Nordafrikas, werfen können.